Lehrmeister Misserfolg

Lehrmeister Misserfolg - Wer mit Niederlagen richtig umgeht, büßt kein Selbstvertrauen ein - Antje Heimsoeth

Autor

Antje Heimsoeth

Datum

12. Sep 2016

Kategorien

Wer mit Niederlagen richtig umgeht, büßt kein Selbstvertrauen ein 

Niederlagen gehören zum Alltag – bei Sportlern genauso wie im Business. Doch kein Sportler verharrt lange im Tal der Tränen, wohlwissend, dass sich die nächste Chance bereits mit dem nächsten Wettkampf bietet. Misserfolg ist nichts anderes als der Mentor des Erfolgs. Niederlagen reflektieren uns, wo wir stehen und wo es gilt, besser zu werden oder neue Wege zu beschreiten. Wer Erklärungen und Lernerfahrungen statt Ausflüchte und Ausreden sucht, hat den Weg des Neuanfangs und der Weiterentwicklung bereits beschritten. Diese Haltung macht den Unterschied zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Menschen – im Spitzensport wie im Business. Die amerikanische Basketball-Legende Michael Jordan sagte zu der Rolle des Misserfolgs in seiner sportlichen Laufbahn: „In meiner Karriere habe ich mehr als 9000 Würfe verfehlt. Ich habe fast 300 Spiele verloren. 26 Mal wurde mir der spielentscheidende Wurf anvertraut und ich habe nicht getroffen. Ich habe immer und immer wieder versagt in meinem Leben. Deshalb bin ich erfolgreich.“ Michael Jordan hat aus jedem einzelnen Fehler gelernt und er hat ihn motiviert, es das nächste Mal besser zu machen. Misserfolge begriff Jordan als Chancen zur Verbesserung und nicht als Beweis seiner Unfähigkeit.

Lehrmeister Misserfolg - Wer mit Niederlagen richtig umgeht, büßt kein Selbstvertrauen ein - Antje Heimsoeth

Keine Macht der Abwärtsspirale!

Wenn Sie Ihre Rückschläge und Enttäuschungen über Ihre Leistung nicht verarbeiten, leisten Sie einer negativen Entwicklung Vorschub. Zurück bleibt dann das Gefühl, nichts wert zu sein. Das impliziert geringes Selbstvertrauen. Daraus resultieren Angst, Stress und Unbehagen. Sie führen zu einer Blockade und damit zu neuen schlechten Leistungen. Das erneute Versagen sorgt für ein noch geringeres Selbstvertrauen – und so dreht sich die Spirale der Selbstkritik immer weiter abwärts.

Je positiver Sie – auch nach einer Niederlage – eingestellt sind, desto angstfreier gehen Sie auch Ihre nächsten Herausforderungen an. Und das führt zu positivem Feedback und sehr guten Leistungen. Erreichen Sie dadurch das nächste Mal Ihre gesteckten Ziele, wächst Ihr Selbstvertrauen weiter. Und beim übernächsten Mal sind Ihre Ergebnisse noch besser.

Das Triple A-Prinzip: Akzeptieren, analysieren, abhaken

Begreifen Sie Niederlagen als Lernchancen! Dabei helfen Gespräche mit Vertrauenspersonen, wo Sie offen Schwächen zeigen können und Ihr Wert als Mensch, unabhängig von der Sache, unangefochten bleibt. Um Ihre Niederlage gewinnbringend zu verarbeiten, ist Akzeptanz Voraussetzung, das erste A des AAA-Prinzips. Klagen, jammern und „Was wäre …, wenn…“-Fragen bringen Sie nicht weiter. Akzeptieren Sie, dass Ihre Performance und/oder die Ihres Teams nicht optimal war und widmen Sie sich zeitnah einer Analyse, dem zweiten A. Zuvor nehmen Sie sich Zeit genug, um negative Stressgefühle abzubauen (z. B. durch körperliche Betätigung wie Walken oder Joggen, Musik machen oder hören, in den Wald gehen und schreien, einen Wut-Ball drücken, ein gutes Essen mit Freunden o.ä.), sonst ist Ihr Kopf nicht frei für eine klare Analyse. Wichtig: Richten Sie bei Ihrer (schriftlichen) Analyse den Fokus nicht allein auf Schwächen und Defizite:

  • Was waren Faktoren für den Misserfolg?
  • Was lief gut? Welche Stärken kamen zum Tragen?
  • Was kann ich/können wir daraus lernen?
  • Was und wie lässt es sich beim nächsten Mal besser machen?
  • Was lässt sich verändern?

Und schließlich gilt das dritte A, nämlich Abhaken! Lassen Sie die Vergangenheit hinter sich, Sie können sie nicht mehr ändern. Verbannen Sie nach der Analyse Gedanken daran aus dem Kopf, sonst blockieren Sie sich beim zukünftigen Handeln. Ein Klient von mir war in der Jugend erfolgreicher Judoka, mehrfacher Bayerischer und Deutscher Meister, Bundeskader, und verlor zwei Jahre lang keinen einzigen Kampf. Als er das erste Mal wieder einem Gegner unterlag, war er so verunsichert, dass er danach jeden Kampf verlor. „Der Bundestrainer klärte mich auf: Du hast das Verlieren verlernt“, berichtet mein Klient. „Diese erste Niederlage seit langem bekam ich nicht mehr aus dem Kopf, nahm sie mit in die nächsten Kämpfe und verlor wieder. Das machte mich immer unsicherer, ein Teufelskreislauf.“ Sein Trainer baute das Selbstbewusstsein mühsam wieder auf, schließlich hatte der Judoka nicht von heute auf morgen Judo verlernt. Sein Fazit seitdem: „Nach der Analyse muss die Niederlage aus dem Kopf!“ 

Mehr zum Aufbau emotionaler und mentaler Stärke lesen Sie in meinen neuen Büchern:

  • Fürs Business: „Chefsache Kopf. Mit mentaler und emotionaler Stärke zu mehr Führungskompetenz“ (Springer Gabler, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-05774-9, 205 Seiten).
  • Für den Sport: „Sportmentaltraining“ (pietsch, Stuttgart, 2015, ISBN 978-3-613-50803-3, 208 Seiten).

Mehr zu diesem Thema erfahren Sie in meinen Seminaren:

© Antje Heimsoeth

 

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.