Mentale Gesundheit in Deutschland: Tipps gegen Pessimismus und für mehr Lebensfreude

Mentale Gesundheit in Deutschland: Tipps gegen Pessimismus und für mehr Lebensfreude

Fast immer wenn ich nach einem Urlaub in der Ferne wieder nach Deutschland komme, merke ich diesen Unterschied: Die Gesichter drücken keine Lebensfreude aus, die Stimmung gedrückter, es ist als würde ein Graufilter über allem liegen. Ständiges Meckern auf ganz hohem Niveau.

Schaut man sich den World Happiness Report an, liegen wir auf Platz 16, weit vor den von genannten Ländern. Ohne Zweifel herrscht Handlungsbedarf. Wir stehen bei den Themen körperliche und mentale Gesundheit nicht dort, wo wir stehen könnten.

Deutschland als „depressives Land“ – Ursachen, Wahrnehmungen und Gegenbewegungen

In regelmäßigen Abständen taucht in Medien, Talkshows und internationalen Kommentaren die Zuschreibung auf, Deutschland sei ein „depressives Land“. Gemeint ist damit weniger eine klinische Diagnose als vielmehr ein gesellschaftlicher Gemütszustand: geprägt von Pessimismus, Zukunftsangst und einer auffälligen Neigung zur Problemfokussierung. 

Die Hoffnung hochhalten

Manchmal fühlen wir uns zurecht ohnmächtig – vor allem, wenn wir, wie bei dem Krieg in Europa, selbst nicht viel dazu beitragen können, um die Lage besser zu machen. Die Nachrichten werden vom Kriegsgeschehen und von Unruhen auf der ganzen Welt bestimmt, von Inflation und dramatischen Auswirkungen des Klimawandels. Für viele Menschen sind das Gründe genug, um pessimistisch in die Zukunft zu blicken. Doch in all dem Geschehen gibt es auch Grund zur Hoffnung. Wenn Sie sich das bewusst machen in dieser bedrückenden Zeit, dann gehören Sie zu den Hoffenden. Die Hoffnung, so sagt der Volksmund, stirbt zuletzt. Und im Christentum ist sie eine von drei Säulen unserer Existenz: Glaube, Liebe, Hoffnung.

Hoffnung ist eine positive innere Haltung und Überzeugung.
Sie schenkt uns Zuversicht und Durchhaltevermögen. Denn sie motiviert uns, voranzuschreiten, statt den Kopf in den Sand zu stecken. Sie verleiht uns die Kraft, in die Zukunft zu schauen und Teile des Weges zu erkennen, der sich beschreiten lässt.

„Wenn wir zu sehr auf Probleme ausgerichtet sind, sehen wir überall Probleme“ Dalai Lama

Es ist wichtig, eine langfristige Sicht auf das, was möglich ist, zu pflegen – eine hoffnungsvolle Perspektive. Wie lässt sich in der jetzigen Situation Hoffnung schöpfen? Wie lässt sich eine hoffnungsvolle Sicht auf die Dinge gewinnen? Zunächst ist Akzeptanz wichtig. Nach Jahrzehnten des Wohlstands und langer Friedenszeit erleben wir, dass dieser Zustand fragil ist. Es gibt keine Garantie für Glückseligkeit. Wir müssen lernen zu akzeptieren, dass das Leben uns allen etwas abverlangen kann, das größer ist als bisher bekannte Herausforderungen. Für manchen ist die Bedrohung nun existentiell. Politische, wirtschaftliche und globale Veränderungen nehmen auf persönliche Befindlichkeiten keine Rücksicht. Aber das persönliche Befinden lässt sich sehr wohl durch entsprechendes Selbstmanagement steuern. Wir sind von der Nachrichtenlage mental belastet, aber wir können etwas tun, um diese Belastung zu reduzieren.

Ideen, die die Gemütsverfassung heben

➡️ Jeden Abend mindestens drei positive Dinge benennen. In der Familie, mit Freunden, im Team, am Arbeitsplatz. Dankbarkeitstagebuch führen >>
Das verändert nachweislich die neuronale Verarbeitung.
➡️ Orte mit positiven Botschaften statt Verbotsschildern. Statt: „Betreten des Rasens verboten!“ Positiv: „Bitte nutzen Sie die Wege – die Wiese freut sich über Ihre Rücksicht.“ Statt: „Radfahren verboten!“ Positiv: „Danke, dass Sie unsere Fußgängerzone zu einem sicheren Ort machen.“
➡️ In Schulen: Eine Stunde pro Woche für Dankbarkeit, Selbstwert und Glück.
➡️ In Unternehmen: Meetings beginnen mit: Was ist mir in den letzten Tagen positiv (im Team, mit Kunden, mit dem Produkt) aufgefallen?
➡️ Mehr gegenseitige Wertschätzung.
➡️ Gemeinsames Lachen.
➡️ Tagebuch schreiben kann wirklich helfen, wenn man es gerne tut.
➡️ Statt ständiges Kritisieren und Schimpfen, das Positive in anderen sehen.
➡️ Loslassen: Befreie Dich von jeglichem Gepäck. Lasse vergangene Misserfolge los, lasse alle ungesunden Gewohnheiten los und vor allem lass alle Zweifel oder Ängste los, die Dich davon abhalten könnten, Deine Ziele zu erreichen.
➡️ Auf Negativität zu reagieren, kann nur mehr Negativität in das eigene Leben bringen. Es ist am besten, negative Menschen und Situationen so weit wie möglich zu vermeiden und sich auf die positiven Dinge im Leben zu konzentrieren.
➡️ Unseren Nachrichtenkonsum deutlich reduzieren – Stichwort: Digital Detox. Natürlich wollen Menschen grundsätzlich informiert sein, auch um sich eine reflektierte eigene Meinung zu bilden. Aber nichts wird besser oder sich ändern, wenn wir Katastrophenmeldungen öfter am Tag hören oder diese von Wissenschaftlern und mehr oder weniger kompetenten Experten immer wieder ausgebreitet und ausgeschmückt werden. Dabei werden Photos beschnitten und verändert, um den Alarmismus zu verstärken. Ängste entstehen oder wachsen erst recht, wenn durchaus reale Aspekte durch Interpretationen und Weglassen von relevanten Informationen mehr und mehr aufgebauscht werden.
➡️ Growth Mindset: Diese Denkweise ermöglicht es, über den Tellerrand der unmittelbaren Probleme hinauszublicken und sich auf die Suche nach kreativen Lösungen zu machen sowie sich auf die konkrete Umsetzung dieser zu konzentrieren.

Weiterlesen: Tipps für mehr Lebensfreude

Solche Interventionen können massive Effekte auf Wohlbefinden, Schlafqualität und mentale Gesundheit haben.

Freude und Freundlichkeit als Gegenmittel gegen negative Emotionen

„Wir haben, wenn wir Glück haben, etwa 30.000 Tage, um das Spiel des Lebens zu spielen. Wie können wir also angesichts unserer kurzen Zeit auf der Erde mehr Freude in unser Leben bringen? Freude ist eine unserer stärksten Emotionen. Arianna Huffington schreibt in ihrem „On My Mind Newsletter“ vom 3. April 2022: „Im Gegensatz zum Glück, das manchmal wie ein weit entfernter Endzustand erscheinen kann, geht es bei der Freude darum, im Augenblick zu sein. […] Und noch etwas ist großartig an Freude – sie ist ansteckend. […] Deshalb kann Freude bei der Arbeit so stark sein – sie ist ein Kraftmultiplikator, der es Teams und Unternehmen ermöglicht, sich ehrgeizige Ziele zu setzen und diese zu erreichen, ohne auszubrennen.“ Ja, Freude ist ein wundervolles Gefühl, das wir ebenso wie Freundlichkeit viel mehr pflegen sollten.

Freundlichkeit lässt unseren Körper nicht nur Oxytocin, sondern auch Dopamin und Serotonin ausschütten. Diese Hormone stärken unser Selbstwertgefühl und wirken sich förderlich auf unser Wohlbefinden aus. Dieser Effekt gilt übrigens sowohl für empfangene als auch für gegebene Freundlichkeit. Denn in beiden Fällen treten wir in Verbindung zu anderen, lassen uns für den Moment durch eine freundliche Interaktion auf sie ein und gehen eben nicht einfach gruß- und blicklos vorüber. Dass trägt dazu bei, dass wir uns weniger isoliert fühlen. Und das verringert negative Emotionen wie Traurigkeit, Angst oder Wut. Je mehr wir uns mit anderen verbinden können, desto geringer ist die Gefahr einer depressiven Erkrankung für uns. Studien haben u.a. gezeigt, dass Menschen mit psychischen Problemen wie z.B. einer Angststörung durch das gezielte Erbringen guter Taten ihre Stimmung und Lebenszufriedenheit steigern können.

Das Hochgefühl, dass wir nach einer guten Tat empfinden, nennen Forscher auch „Helper`s High“. Es ist pures Glück, das uns durchflutet. Achten Sie beim nächsten Mal darauf, wenn Sie Ihrer Freundin einen Kaffee spendieren, einem Fremden den Weg weisen oder anderen den Vortritt in der Warteschlange im Supermarkt gewähren: Der freundliche Akt gibt uns einen kleinen Energiekick. Besonders spannend dabei ist: Eine gute Tat hat sogar einen Effekt auf uns, wenn wir nur von außen beobachten, wie Wissenschaftler herausgefunden haben. Nicht nur diejenigen, die unmittelbar an der freundlichen Interaktion beteiligt sind, sondern auch Beobachtende erleben die positiven Auswirkungen von Freundlichkeit im Gehirn. Die geweckten positiven Gefühle wiederum motivieren uns, selbst etwas Gutes zu tun. Ob empfangen, gegeben oder nur gesehen – Freundlichkeit kann also eine Kettenreaktion auslösen, von der mental viele Menschen profitieren.

Weiterlesen in „Mentale Gesundheit: Wie wir entspannt unsere Leistungsfähigkeit erhalten“ (Beck kompakt) >>
Deine Energie und Energiereserven beeinflussen deine Gemütsverfassung

Diese acht einfachen Tipps helfen dir, mit ausreichend Energie durch den Tag zu gehen.

1 Achte auf deinen Schlaf
→ Ausreichender Schlaf ist die Basis für ein erfolgreiches Leben und erfolgreiche Führung.

2 Halte 3 Sekunden inne
→ Bevor du reagierst, halte kurz inne. Klarheit braucht Zeit.

3 Atme: 4-4-4
→ 4 Sekunden einatmen. 4 Sekunden anhalten. 4 Sekunden ausatmen. Ein Atemrhythmus, der dich in weniger als einer Minute wieder in Schwung bringt.

4 Mache mindestens 5 Minuten Pause zwischen Meetings
→ Gönn deinem Gehirn eine Auszeit. Hetze nicht von Meeting zu Meeting, ohne Energie zu haben.

6 Trinke 7 Gläser Wasser pro Tag
→ Schon leichte Dehydrierung führt schnell zu Energieverlust.

7 Gehe etwa 10.000 Schritte pro Tag
→ Bewegung bringt Schwung. Mehr als 8.700 Schritte am Tag wirken sich positiv auf dein Leben aus.

8 Meditiere 10 Minuten lang
→ Keine App nötig. Atme einfach. Lausche. Nimm wahr. Lass los.

©Ihre Antje Heimsoeth

Antje HeimsoethAntje Heimsoeth ist eine der bekanntesten Business- und Mental-Coaches im deutschsprachigen Raum. Sie ist „Deutschlands renommierteste Motivationstrainerin“ (FOCUS), „Vortragsrednerin des Jahres 2014“ und 2021 und Expertin für die Themen mentale und emotionale Stärke, Mentale Gesundheit, Stressmanagement & Resilienz, Positive Leadership und Selbstführung. Ihr Know-how beruht auf Praxiserfahrungen, die durch wissenschaftliche Impulse stets untermauert werden. Mit ihren Büchern und Vorträgen hat Sie über 850.000 Menschen erreicht.
2019 wurde sie zum Senat der Wirtschaft berufen.
www.antje-heimsoeth.com/www.heimsoeth-academy.com

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