Raus aus der Komfortzone, rein in die Verantwortung

Raus aus der Komfortzone, rein in die Verantwortung - Antje Heimsoeth

Autor

Antje Heimsoeth

Datum

05. Jul 2021

Was Bundesgleichstellungsministerin Franziska Giffey und Bundesjustizministerin Christine Lambrecht mit dem Zweiten Führungspositionengesetz auf den Weg gebracht haben, ist nicht nur ein Weckruf für Unternehmen, sondern auch für uns Frauen. In 30 von 70 großen börsennotierten Unternehmen hierzulande sitzt keine einzige Frau im Vorstand. Das Gesetz soll sicherstellen, dass künftig im Vorstand von Unternehmen mit 2.000 Mitarbeitenden oder mehr mindestens eine Frau an Bord ist. Gleichzeitig führt es eine feste Geschlechterquote von mindestens 30 Prozent Frauen in Aufsichtsräten von Unternehmen ein, an denen der Bund eine Mehrheit hält. An Kandidatinnen scheint es indes angesichts der Zahlen noch immer zu mangeln. Die Gründe dafür sind nicht allein bei Personalentscheidern zu suchen, sondern ebenso in der Gesellschaft wie bei uns Frauen selbst.

Stellschrauben für die Spitze: Selbstverständnis, Selbstvertrauen, Selbstmanagement

Ein selbstverständliches Miteinander von Mann und Frau setzt voraus, dass wir uns selbst Führung genauso bedingungslos zutrauen wie unser privates und berufliches Umfeld. Viel zu oft trauen Frauen sich die berufliche Herausforderung einer Führungsposition nicht zu, haben Selbstzweifel, scheuen die Verantwortung, fürchten zu scheitern – und signalisieren damit nach außen Unsicherheit oder gar mangelndes Interesse. Kommen noch Einwände von Partner und Familie hinzu, ist der Karriereschritt schon im Keim erstickt, und damit auch die Chance auf Weiterentwicklung. Der Wandel fängt in der Keimzelle unserer Gesellschaft, der Familie, an und setzt sich beim eigenen Selbstmanagement fort. Er beginnt mit dem Selbstverständnis, dass Väter und Mütter sich die Erziehungsarbeit ihrer Kinder teilen, so wie es zum Beispiel in Skandinavien üblich ist, und Arbeitgeber alles dafür tun, um dies zu ermöglichen. Wenn beide Elternteile ihre Stunden nach der Geburt eines Kindes anteilig reduzieren, muss kein Arbeitgeber mehr denken, dass es sich ohnehin nicht lohnt, eine Frau auf höhere Aufgaben vorzubereiten, weil sie irgendwann Mutter werden, vorübergehend verschwinden und dann nur noch in Teilzeit verfügbar sein könnte. Und Frauen müssen keine Schere mehr im Kopf haben, wenn sie ihre künftige Karriere planen. Eine Frauenquote allein reicht also nicht, um Gleichstellung zu erreichen.

Gleichstellung beginnt im Kopf

Sie beginnt mit weiblichem Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Es gibt zahlreiche Studien, die die positiven Effekte heterogener Führungsebenen belegen, u.a. auf die Profitabilität oder Perspektivenvielfalt eines Unternehmens. Frauen bringen Kompetenzen ein, die sonst in männlich dominierten Führungsriegen fehlen. Damit fußen Entscheidungen auf ganzheitlicheren Betrachtungen zugunsten des Unternehmens. Doch statt sich ihrer Qualitäten und Stärken bewusst zu sein und daraus Selbstvertrauen und -bewusstsein zu generieren, regieren bei Frauen oft noch Selbstkritik und Zurückhaltung. Das Würdigen der eigenen Erfolge und das Sichtbarmachen der eigenen Leistung erscheint ihnen nicht opportun. Im Gegenteil: Nicht selten spielen sie ihre tragende Rolle herunter und verweisen aufs Team oder winken peinlich berührt ab, wenn ihre Leistung lobend hervorgehoben wird. Doch wer sich selbst wenig wertschätzt, erfährt auch weniger Wertschätzung. Denn was löst solches Verhalten wohl beim lobenden Gegenüber aus? Wohl eher den Eindruck, dass das Lob vielleicht doch unangebracht war als die Erkenntnis, dass hier jemand seinen eigenen Wert gar nicht wahrnimmt und deshalb noch mehr gewürdigt werden müsste, um eine andere Sichtweise zu erlangen.

Weiterlesen: Mentale Stärke für Frauen

Tipp: Kraftquelle Erfolgstagebuch

Viele Menschen neigen dazu, selbstkritisch mit sich umzugehen und das Augenmerk vor allem auf die eigenen Defizite zu richten. Das schenkt uns aber in herausfordernden Situationen keine Kraft. Sich hingegen auf die eigenen Stärken und bereits verbuchte Erfolge zu besinnen, nutzt uns als Kraftquelle, weil es u.a. positive Gefühle freisetzt. Deshalb lohnt es sich auch hier, ein wenig Zeit zu investieren, um ein Erfolgstagebuch zu führen. Denn damit verinnerlichen Sie Ihre Erfolgserlebnisse nachhaltig. Halten Sie in einem kleinen Büchlein oder in einem digitalen Dokument, dass vielleicht sogar auf der Startoberfläche Ihres Tablets oder Laptops hinterlegt ist, sämtliche Erfolge fest, große wie kleine. Machen Sie sich bewusst, was Sie bereits erreicht haben und durch Ihr Tun weiter dazu gewinnen. Rufen Sie das Dokument oder klappen Sie das Büchlein regelmäßig auf, um sich Erfolge vor Augen zu führen und zu ergänzen.

Gleichstellung verlangt nach Akzeptanz

Nicht nur männliche Kollegen, Vorgesetzte, Partner und Familie sind aufgefordert, Frauen in Führungsrollen zu tolerieren, mehr noch: zu unterstützen. Auch wir Frauen müssen uns kritisch hinterfragen, wie es um unsere Akzeptanz bestellt ist, wenn Geschlechtsgenossinnen in die Chefetage wechseln. Nicht selten herrschen hinter vorgehaltener Hand Neid und Missgunst. Und jenen Frauen, die zugunsten der Kinderbetreuung wenig oder gar nicht arbeiten, kommt schnell das böse Wort Rabenmutter über die Lippen, wenn eine Karrierefrau auch noch Kinder hat.

Serena Williams gilt als erfolgreichste Tennisspielerin der jüngeren Geschichte. Neben ihrem Siegeswillen ist ihr Selbstvertrauen ein entscheidender Teil ihres Erfolgs. Sie ließ sich in ihrer Karriere weder von rassistischen Anfeindungen noch von Kritikern unterkriegen. Im Gegenteil, sie machten sie stärker. Ihr Körper und Kleidungsstil seien oft öffentlich diskutiert worden, sagt Williams. Ihr Körper sei zu kräftig, ihre Kurven zu üppig, ihre Kleidung zu sexy oder zu modisch. „Bei Kritik versuche ich, mir einen Moment Zeit zu nehmen, um mich selbst wertzuschätzen“, sagt Williams. „Es wird immer Kritiker geben – deshalb musst du über sehr viel Selbstvertrauen und Selbstliebe verfügen. Wenn du einen Schutzwall aus Vertrauen um dich herum aufbaust, prallt die Kritik daran ab“ (Quelle: TIME Firsts). Wer sich als Frau aus der Komfortzone heraus in die „Kampfzone“ begibt, braucht also eine Rüstung aus Selbstvertrauen, Selbstliebe und Selbstakzeptanz, um es mit kriegerischen Worten auszudrücken.

Aber wohlgemerkt: Es geht hier nicht um einen Geschlechterkampf. Gleichstellung kann nur gelingen, wenn wir uns auf ein wohlwollendes Miteinander fokussieren statt uns als Konkurrenz wahrzunehmen und als „karrieregeil“ oder aufmerksamkeitssüchtig abzuwerten.

Übung zur Selbstreflexion

Anerkennung und Wertschätzung bauen unseren Selbstwert auf. Ein stabiles Selbstwertgefühl und -achtung helfen uns dabei, uns so zu akzeptieren, wie wir sind – und uns zwischendurch vielleicht auch mal selbst zu loben oder Lob leichter anzunehmen:

  • Bei wem fällt es Ihnen leicht, Anerkennung zu geben, und bei wem nicht?
  • Welche Gründe gibt es dafür?
  • Bekommen Sie selbst genug Anerkennung?
  • Welche Leistungen halten Sie für lobenswert?
  • Wann haben Sie sich zuletzt wertschätzend verhalten?
  • Woran machen Sie Wertschätzung fest?
  • Was war die bisher größte Anerkennung in Ihrem Leben (privat, im Beruf, im Sport) und wie hat diese auf Sie gewirkt?

Wir sollten jede Frau, die den Sprung an die Spitze schafft, feiern statt sie anzufeinden oder gar zu sabotieren – und sie vielmehr als Vorbild betrachten. Denn solche Frauen zeigen uns allen, dass Karriere mit und ohne Familie möglich ist. Weil sie an sich und ihre Fähigkeiten glauben, selbstbewusst und mutig sind und bereit waren, sich gegen Widerstände und Vorbehalte durchzusetzen und Verantwortung zu tragen. Sie sehen Herausforderungen als Chance zur Weiterentwicklung – und verlassen dafür ihre Komfortzone. Wann brechen Sie auf zu neuen Ufern oder lassen sich auf eine Frau als Führungskraft ein?

Weiterlesen: Stutenbissigkeit – Sackgasse Sabotage

© Antje Heimsoeth

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Antje HeimsoethÜber die Autorin
Antje Heimsoeth, Diplom-Ingenieurin (FH), Coach, ECA und DVNLP, zert. Mental Coach, Gesundheitstrainerin, ECA Sport Coach (Master Competence), zert. Entspannungspädagogin, zert. Business Coach und Top-Speakerin mit mentalem Olympiafaktor: Go for Gold! mit eigenem Institut Heimsoeth Academy, ausgezeichnet als „Vortragsrednerin des Jahres 2014 und 2021“ und „Deutschlands renommierteste Motivationstrainerin“ (FOCUS).
Weltweit tätig. Auftritte bei Sport1, hamburg1, nrw.tv, BR (Blickpunkt Sport) und Sky sowie auf Kreuzfahrtschiffen (MS Europa 2, AIDA). Infos unter  www.heimsoeth-academy.com, www.antje-heimsoeth.com

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