Vertrauen als Schlüsselfaktor zur Krisenbewältigung – Vertrauen entscheidet

Vertrauen als Schlüsselfaktor zur Krisenbewältigung - Antje Heimsoeth
Vertrauen entscheidet: Transparenz und klare Kommunikation als Grundlage von Vertrauen

Austausch und Kommunikation sind in solchen Zeiten wichtiger denn je. Die Regierungschefs in Neuseeland oder Australien führen uns das eindrücklich vor Augen. Transparenz in den Entscheidungen und klare Kommunikation sind entscheidend für die Bereitschaft von Menschen, diesen Entscheidungen zu folgen. In Bayern sorgen widersprüchliche Entscheidungen für bröckelndes Verständnis: seit 4. Mai sind Versammlungen von bis zu 50 Menschen wieder zulässig, meine eigene Familie darf ich jedoch weiterhin nicht treffen. Bayerns Bürger beginnen, solche Entscheidungen zu hinterfragen. Der Unmut und die Wut wachsen. Dabei ist es wichtig, in diesen Zeiten Orientierung und Sicherheit zu vermitteln statt neue Unsicherheit zu schüren.

Nur wer sich selbst führen kann, kann andere führen

Eine gute Führung setzt eine gute Selbstführung voraus. Und das bedeutet auch, sich eigener Unsicherheit bewusst zu werden und Strategien für den Umgang damit zu kennen. Es geht nicht darum, als Chef immer der Held sein zu müssen. Nach dieser Rolle sollte eine Führungskraft auch nicht streben. Denn dann ordnet sie alles andere dem eigenen Glanz unter und agiert nicht mehr zum Wohl aller.

Flexibilität in der Führungskommunikation bei Unsicherheit

Egal, um welchen Lebens- oder Wirtschaftsbereich es geht, in diesen Tagen fahren alle Entscheider auf Sicht. Das sollte auch jede Führungskraft im Unternehmen klar kommunizieren: Es gibt im Moment keine langfristigen Regelungen und Zusagen. Beim Fahren auf Sicht ist Flexibilität gefragt, von Führungskräften wie Mitarbeitern. Fahren auf Sicht heißt, Informationen rasch einzuordnen und weiterzugeben. Dafür gilt es, auch neue Wege zu beschreiten in der Kommunikation. Bringen Sie als Führungskraft jeden Freitag einen Podcast unter die Leute mit einem Wochen-Resümee:

Was ist passiert?
Wo müssen wir achtgeben?
Wo gibt es neue rechtliche Bestimmungen?
Welche Änderungen in Abläufen ergeben sich für uns daraus?

Vertrauen entscheidet: Stressmanagement und Selbstführung als Voraussetzung für Vertrauen

Das Augenmerk Ihres Teams liegt auf Ihnen. Um weiterhin Souveränität und Gelassenheit auszustrahlen, hängt viel von Ihrem Stress- und Selbstmanagement ab. Daran zu arbeiten, heißt sich Rüstzeug für die täglichen Herausforderungen zu verschaffen. Ausreichend Schlaf und Bewegung gehören ebenso dazu wie regelmäßige Pausen zur Entspannung und das Beherrschen von Entspannungstechniken. Wenn Sie merken, dass Sie selbst gerade Probleme damit haben, Vertrauen in die Zukunft zu schöpfen, dann können Sie gezielt an Ihrer inneren Haltung arbeiten. Führen Sie z.B. ein Dankbarkeitstagebuch, in dem Sie festhalten, wofür Sie am Ende eines Tages dankbar sind, für welche Momente, Begegnungen, Erfolge? Das können Sie auch Ihren Mitarbeiter empfehlen.

Konstruktives Feedback und Feedforward zur Mitarbeiterentwicklung

Die Qualität des Dialogs mit Mitarbeitern ist jetzt auf dem Prüfstand. Wie gut fühlen sich Ihre Leute informiert, gesehen, verstanden, wahrgenommen, berücksichtigt? Und wie geben Sie Ihnen Feedback? Ich empfehle die Feedforward-Methode nach Marshall Goldsmith, bei der Sie statt reiner Rückmeldung zu Leistungen auch konkrete Veränderungsmöglichkeiten für die Zukunft aufzeigen: Wie genau kann Ihr Mitarbeiter sein Verhalten verändern, um eine Aufgabe, besser, schneller, einfacher zu erledigen?  Statt rückwirkend zu bewerten, was gut oder schlecht war, erfährt Ihr Mitarbeiter konkrete Verbesserungsmöglichkeiten und kann sie als Feedback besser annehmen. Auch neue Projektmanagementtechniken können Dialoge und Abläufe verbessern.

Vertrauen auf Distanz: Führung im Homeoffice und virtuellen Teams

Viele Menschen arbeiten derzeit nur noch im Homeoffice. Für Führungskräfte gilt damit, vertrauensvolle Beziehungen online aufrechtzuerhalten oder aufzubauen. Distanz erschwert das Vertrauen, im Übrigen auch wenn Menschen über zwei Stockwerke verteilt miteinander arbeiten. Umso wichtiger sind nun ein gemeinsames Teamziel (Etappenziel, Tages-, Wochen-, Monatsziel), Regeln für die Zusammenarbeit, Momente des Austauschs jenseits der Arbeit (z.B. Wie geht es dir?), sozusagen als digitaler Kaffeeküchen-Talk. Es darf noch besser zugehört werden. Es gilt, Nähe zu erzeugen. Dabei helfen häufigere Online-Meetings, dafür aber kürzer und besser vorbereitet. Und natürlich virtuelle Treffen zum Feierabend Bier und Klönen.

Vertrauen entscheidet: Wertschätzung und Anerkennung als Vertrauensverstärker

Für den Cheftrainer vom 1. FC Bayern München, Hansi Flick, spielt gegenseitige Wertschätzung und Respekt eine entscheidende Rolle für ein vertrauensvolles Miteinander. Für ihn sind sie die Basis für den Teamerfolg. Er sagt im Mitgliedermagazin „51“ des Fußballvereins: „Ohne Loyalität, Wertschätzung und Respekt füreinander ist es schwer, sich erfolgreich und sinnvoll zu entwickeln. Mir ist wichtig, dass man Vertrauen schenkt, die Kommunikation hoch ist und man allen Wertschätzung vermittelt. (…) Wie wir uns austauschen können, was das für eine Ebene ist, auf der man Vertrauen hat, das ist für mich persönlich ideal.“ (Ausgabe 4/20).

Anerkennung bedient das menschliche Bedürfnis der sozialen Akzeptanz. Es baut den Selbstwert auf, sorgt für positive Energie und Antrieb. Unser Zugehörigkeitsgefühl steigt, unser Selbstvertrauen wird gestärkt, es verleiht uns Selbstsicherheit. Dabei verbessert sich nicht nur die Motivation für weitere Leistungen, sondern auch die Beziehung zu demjenigen, der uns die Anerkennung entgegengebracht hat. Bei der Wertschätzung geht es ums menschliche Miteinander, also darum, einen Mitarbeiter als Menschen zu schätzen und ihn das spüren zu lassen.

12 Möglichkeiten, Vertrauen aufzubauen
  1. Pünktlich erscheinen: Respektieren Sie die Zeit anderer.
  1. Die Wahrheit sagen: Ehrlichkeit legt das Fundament für Vertrauen.
  1. Authentizität und Vorbildverhalten von Führungskräften
    Wir sehen im Fernsehen gerade immer wieder Bilder von Politikern, die sich nicht an die Abstandsregeln halten. Solche Bilder buchen vom Vertrauenskonto der Bevölkerung ab. Die Politik sollte vorleben, was sie von den Bürgern im Land verlangt. Authentizität erzeugt Glaubwürdigkeit. Wie glaubwürdig ist jemand, der das eine predigt oder fordert, und das andere tut? Menschen wollen sich auf eine Führungspersönlichkeit verlassen und ihr vertrauen können. Glaubwürdiges Handeln ist die Basis dafür.
  1. Empathie zeigen
    Wenn Sie EMPATHIE als Führungskraft einsetzen, hören Sie sich die Probleme aktiv an und stellen sich vor, wie es ist, das aus der Perspektive des Mitarbeiters durchzumachen.
    Sie bauen eine Verbindung zum Mitarbeiter auf. Sie nehmen sich Zeit und Energie, um in die Situation des Mitarbeiters zu treten und zu fühlen und zu zeigen, dass Sie verstehen, was dieser fühlt. Sie betrachten das Problem durch die Linse und Emotionen des Mitarbeiters. Dies dauert etwas länger und kostet etwas mehr Energie, führt aber zu einer viel nachhaltigeren Lösung.
Weiterlesen: Den entscheidenden Unterschied zwischen Sympathie, Empathie und Mitgefühl verstehen
  1. Bleiben Sie konsequent in Ihren Handlungen. Verlässlichkeit stärkt Selbstvertrauen in dich.
  1. Feedback geben
    Oscar Wilde sagte einst „Ich möchte die Kritik ein Schaffen aus Geschaffenem nennen“ und verwies damit schon früh auf die Kernfunktion heutiger Feedbackgespräche. Denn Feedback geben bedeutet eine Rückmeldung auf eine erbrachte Leistung, eine Äußerung oder ein Verhalten und schafft die Voraussetzung dafür, zu wissen, ob etwas fortsetzungs- oder verbesserungswürdig ist. Ein Feedback ist wie ein Echo auf den Ruf im Nebel der Ungewissheit. Ein Feedback ist allerdings nur dann hilfreich für uns, wenn wir es zulassen und annehmen können. Dabei kommt der Qualität des Feedbackgesprächs eine entscheidende Rolle zu: Es muss konstruktiv und ehrlich sein. Weder Lobhudelei noch Zynismus bringen andere weiter, sondern „Ehrlichkeit ist der schönste Juwel der Kritik“, wusste schon Benjamin Disraeli. Ein gutes Feedbackgespräch ist eine ausgewogene Rückmeldung, die sachlich und zielorientiert ist. Das Ziel ist die persönliche und auch fachliche Weiterentwicklung des anderen, eben das Schaffen aus etwas Geschaffenem.
Weiterlesen: Feedback geben: Feedback ist das Futter für Fortschritt
  1. Durchziehen: Zu tun, was du sagst, beweist, dass man einem vertrauen kann.
  1. Da Vertrauen auch mit Vertraulichkeit zusammenhängt, müssen Mitarbeiter sich sicher sein können, dass all das, was sie in einem Gespräch vortragen, auch im Vier-Augen-Gespräch bleibt und nicht im Unternehmen weiter kursiert oder von der Führungskraft beispielsweise an den Vorstand weitergetragen wird. Selbstverständlich ist, dass Versprechen der Führungskraft in der Kommunikation mit dem Mitarbeiter auch eingehalten werden – und zwar ohne, dass der Mitarbeiter gezwungen ist, die Führungskraft immer wieder an das Versprechen zu erinnern. An der Stelle gilt die Regel aus dem Neuen Testament: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg‘ auch keinem andern zu.“ Wenn Sie nicht möchten, dass Menschen vertrauliche Themen, die sie mit Ihnen besprechen, z. B. per Flurfunk weitergeben, geben auch Sie keine vertraulichen Inhalte weiter. Verzichten Sie auch auf jede Form des Tratschens und stellen Menschen nie vor Dritten bloß. Heutzutage im Zeitalter der schnellen Trennungen wäre ich sogar vorsichtig, was ich zu Hause meinem Partner erzähle, auch wenn das Sich-von-der-Seele-Reden Dinge leichter macht. Und doch ist eben die Gefahr groß, dass wenn es zur Trennung kommt, solche vertraulichen Themen weitererzählt und gegen einen verwendet werden und so wie ein Bumerang zu einem zurückkommen.
  1. Entschuldigen Sie sich aufrichtig: Seine Fehler einzustehen zeigt Integrität.
  1. Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Umso wichtiger ist es, offen und fair mit diesen Fehlern umzugehen. Denn das schafft Bewusstsein, Sensibilität und nützliche Lerneffekte.
Weiterlesen: Fehlerkultur: Fail for Future – Warum die Entwicklung einer modernen Fehlerkultur für Unternehmen von großer Bedeutung ist
  1. Respektieren Sie Grenzen.
  1. Freundlichkeit ist die Sprache des Vertrauens.
    Freundlichkeit lässt unseren Körper nicht nur Oxytocin, sondern auch Dopamin und Serotonin ausschütten. Diese Hormone stärken unser Selbstwertgefühl und wirken sich förderlich auf unser Wohlbefinden aus. Dieser Effekt gilt übrigens sowohl für empfangene als auch für gegebene Freundlichkeit. Denn in beiden Fällen treten wir in Verbindung zu anderen, lassen uns für den Moment durch eine freundliche Interaktion auf sie ein und gehen eben nicht einfach gruß- und blicklos vorüber. Dass trägt dazu bei, dass wir uns weniger isoliert fühlen. Und das verringert Emotionen wie Traurigkeit, Angst oder Wut. Je mehr wir uns mit anderen verbinden können, desto geringer ist die Gefahr einer depressiven Erkrankung für uns. Studien haben u.a. gezeigt, dass Menschen mit psychischen Problemen wie z.B. einer Angststörung durch das gezielte Erbringen guter Taten ihre Stimmung und Lebenszufriedenheit steigern konnten.

Vertrauen wird nicht über Nacht aufgebaut.

Ja, wir brauchen im Moment viel Vertrauen – Vertrauen darauf, dass wir die vielen derzeitigen Krisen gut überstehen, als Mensch, als Mitarbeiter, im Team, als Unternehmen, als Land. Wir vertrauen den Entscheidungen der Politik und darauf, dass sich jeder an die Hygiene- und Verhaltensregeln hält. So, wie jeder von uns hofft, dass der andere dieses Vertrauen nicht verspielt, sollten wir das Vertrauen anderer in uns auch nicht verspielen. Damit Vertrauen eine gute Basis der Zusammenarbeit bleibt!

Ihre © Antje Heimsoeth

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Über die Autorin
Antje Heimsoeth
Antje HeimsoethIhre berufliche Laufbahn begann Sie als Geodätin. Heute gehört Sie als erfolgreiche Keynote Speakerin mit hunderten von Vorträgen und Expertin für Mentale Stärke, Motivation, Leadership, Erfolg, Selbstführung und Spitzenleistungen und 14-fache Buchautorin zu den bekanntesten, gefragten und einflussreichsten Mental Coaches von Spitzensportlern, Führungspersönlichkeiten, Vorständen, Spitzenmanagern, Unternehmern und Rednern. Sie wurde als „Vortragsrednerin des Jahres 2014“, mit dem Award „Erfolgreiche Unternehmerin 2016“, in 2019 mit Top 10 Trainer & Influencer und in 2017 mit TOP 100 Erfolgstrainer (durch das Magazin ERFOLG) ausgezeichnet. Bei Managern und Medien gilt sie als „renommierteste Motivationstrainerin Deutschlands“ (FOCUS).

 

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