Oscar Wilde sagte einst „Ich möchte die Kritik ein Schaffen aus Geschaffenem nennen“ und verwies damit schon früh auf die Kernfunktion heutiger Feedbackgespräche. Denn Feedback geben bedeutet eine Rückmeldung auf eine erbrachte Leistung, eine Äußerung oder ein Verhalten und schafft die Voraussetzung dafür, zu wissen, ob etwas fortsetzungs- oder verbesserungswürdig ist. Ein Feedback ist wie ein Echo auf den Ruf im Nebel der Ungewissheit.
Ein Feedback ist allerdings nur dann hilfreich für uns, wenn wir es zulassen und annehmen können. Dabei kommt der Qualität des Feedbackgesprächs eine entscheidende Rolle zu: Es muss konstruktiv und ehrlich sein. Weder Lobhudelei noch Zynismus bringen andere weiter, sondern „Ehrlichkeit ist der schönste Juwel der Kritik“, wusste schon Benjamin Disraeli. Ein gutes Feedbackgespräch ist eine ausgewogene Rückmeldung, die sachlich und zielorientiert ist. Das Ziel ist die persönliche und auch fachliche Weiterentwicklung des anderen, eben das Schaffen aus etwas Geschaffenem.
Die versteckten Kosten für das Vermeiden von Feedback
1 ) Kein Wachstum. Keine Rückmeldung = Keine Verbesserung
2 ) Stagnation
3 ) Wiederholte Fehler: Wenn wir uns nicht mit Fehlern auseinandersetzen, passieren sie immer wieder.
4 ) Verpasste Chancen
5 ) Geringes Selbstvertrauen
6 ) Das Vermeiden von Feedback macht es mit der Zeit beängstigender
7 ) Langsamerer Erfolg: Ohne Blick von außen lässt der Erfolg länger auf sich warten.
Feedback geben heißt auch Fragen und Zuhören
Eine Führungskraft beschäftigt sich im Durchschnitt mehr als zwei Drittel seiner Arbeitszeit mit Problemen und Krisen (vgl. brand eins, Heft 03, März 2015). Jede Menge Gelegenheit für Feedback an Mitarbeiter und Kollegen – und für Fehltritte in der Kommunikation. Denn ein Feedback kann seinen Empfänger fordern, gelegentlich unbequem sein, ihn konfrontieren und zwingen, Manches genauer anzuschauen. Das birgt Konfliktpotenzial. Es kommt also viel auf die Art und Weise der Kommunikation an, damit Feedback von Führungskräften erfolgreich ist.
Grundsätzlich sollte ein Feedbackgespräch von wechselseitigem Verständnis geprägt sein. Das bedeutet für die Führungskraft
- aktiv zuzuhören,
- vertiefend nachzufragen,
- sich ins Gegenüber hinein zu fühlen,
- und die Gedanken des Gegenübers ernst zu nehmen.
Das klingt einfacher als es oft ist. Ein guter Zuhörer sein zu wollen, ist eine bewusste Entscheidung für den anderen. Echtes Zuhören ist nur möglich in einem Zustand der Aufmerksamkeit – und jenseits von Bagatellisierungen, Vorurteilen, Bewerten und Abqualifizieren. Durch aktives Zuhören werden Missverständnisse oder verbale Machtkämpfe vermieden. Das bedeutet:
- viele offene W-Fragen zu stellen,
- die Perspektive des anderen einzunehmen,
- einen konstruktiv-partnerschaftlichen, wertschätzenden Kommunikationsstil zu pflegen,
- einen respektvollen Umgang unabhängig von Hierarchien zu leben
Mit einem wachsenden Verständnis auf Seiten der Führungskraft wächst auch die Kooperationsbereitschaft auf Seiten des Mitarbeiters. Durch vertiefendes Nachfragen können Diskrepanzen und Ursachen für Probleme freigelegt werden. Wie eingangs erwähnt, soll das Feedback eine ausgewogene Rückmeldung sein. Führungskräfte sollten persönliche Angriffe ebenso vermeiden wie das permanente Senden von „Du/Sie“-Botschaften. Ein konstruktives Feedbackgespräch verlangt nach einer bewussten Haltung, bei der beide Seiten Verantwortung übernehmen. Und es braucht beziehungsstiftende Elemente wie die aufrichtige Frage nach dem persönlichen Befinden oder Eindrücken, ein konkretes Lob oder auch eine Ermutigung wie „Ich traue Ihnen das zu!“.
Feedback geben: Ein Feedbackgespräch ist Hilfe zur Selbsthilfe
Damit Feedback geben seine Wirkung entfalten kann, sollte es so konkret wie möglich sein. Wo war die Performance herausragend, wo genau ließ sie zu wünschen übrig? Und was schlägt die Führungskraft zur Verbesserung vor? Ein Feedback geben heißt auch Impulse und Denkanstöße zu geben, die zur Weiterentwicklung anregen. Denn darin liegt die Kraft des Feedbacks. Mit einer konkreten Vorstellung davon, wie ein Mitarbeiter/eine Mitarbeiterin oder auch Kollegen etwas besser machen können, gehen sie viel motivierter aus dem Feedbackgespräch heraus als mit einer pauschalen Äußerung wie „Seien Sie noch ein bisschen entschlossener“. Ein gutes Feedback sorgt für Klarheit. Es ist längst bewiesen, dass regelmäßige Feedbackgespräche die Zusammenarbeit im und mit dem Team verbessern. Es steigert das eigenverantwortliche, zielorientierte Arbeiten des Einzelnen, fördert zudem die Identifikation, Motivation und Bindung ans Unternehmen.
Regelmäßiges Feedback geben heißt weitaus mehr als nur ein jährliches Leistungsbeurteilungsgespräch zu führen. Es ist vielmehr ein Instrument, um Mitarbeiter kontinuierlich weiterzuentwickeln, zu fördern und zu fordern. Ein Feedback, das auf Wohlwollen statt auf einseitiger Weisung beruht, ist nichts anderes als Hilfe zur Selbsthilfe. Eine Führungskraft braucht hier gewisse Coachingqualitäten, um das leisten zu können. Ihre kommunikativen Fähigkeiten und Empathie sind hier ebenso gefragt wie personale Kompetenzen und ein Bewusstsein für Ursache und Wirkung im Feedbackgespräch. Wer hier als Unternehmen in die Führungskompetenz investiert, investiert in Mitarbeiterbindung und –motivation. Und das macht Unternehmen nicht zuletzt erfolgreich.
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FAQ: Feedback geben – Feedback ist das Futter für Fortschritt
Was bedeutet Feedback?
Feedback ist eine Rückmeldung auf eine erbrachte Leistung, ein Verhalten oder eine Äußerung. Es hilft Menschen zu erkennen, was sie fortführen und was sie verbessern können. Feedback schafft Orientierung und ist eine wichtige Voraussetzung für persönliche und fachliche Weiterentwicklung. Es ist damit ein entscheidender Baustein erfolgreicher Zusammenarbeit und Führung.
Warum ist Feedback für Führungskräfte so wichtig?
Feedback gehört zu den wichtigsten Führungsaufgaben. Es unterstützt Mitarbeitende dabei, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, Verantwortung zu übernehmen und ihr Potenzial besser auszuschöpfen. Regelmäßige Feedbackgespräche verbessern die Zusammenarbeit im Team, fördern Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen und stärken die Mitarbeiterbindung.
Was zeichnet ein gutes Feedbackgespräch aus?
Ein gutes Feedbackgespräch ist ehrlich, konstruktiv und ausgewogen. Es soll weder beschönigen noch verletzen. Ziel ist es, Entwicklung anzustoßen und den anderen zu unterstützen. Dazu gehört eine zielorientierte Rückmeldung sowie eine Atmosphäre, in der beide Seiten Verantwortung übernehmen.
Warum gehören aktives Zuhören und Fragen zu einem guten Feedback?
Ein erfolgreiches Feedbackgespräch lebt vom gegenseitigen Verständnis. Führungskräfte sollten aktiv zuhören, vertiefend nachfragen, sich in ihr Gegenüber hineinversetzen und dessen Gedanken ernst nehmen. Offene Fragen helfen dabei, Ursachen besser zu verstehen, Missverständnisse zu vermeiden und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Welche Rolle spielt aktives Zuhören?
Aktives Zuhören ist eine bewusste Entscheidung für den anderen. Es gelingt nur mit Aufmerksamkeit und Hinwendung – und ohne vorschnelles Bewerten oder Bagatellisieren. Wer aufmerksam zuhört und die Perspektive seines Gegenübers einnimmt, schafft Vertrauen und erhöht die Bereitschaft zur Zusammenarbeit.
Wie konkret sollte Feedback sein?
Je konkreter Feedback ist, desto hilfreicher ist es. Mitarbeitende profitieren davon, wenn klar benannt wird, welche Leistung besonders gelungen war, wo Verbesserungsbedarf besteht und welche Entwicklungsmöglichkeiten die Führungskraft sieht. Konkrete Impulse motivieren deutlich stärker als allgemeine Aussagen.
Warum sollte Feedback regelmäßig stattfinden?
Feedback sollte nicht auf das jährliche Mitarbeitergespräch beschränkt bleiben. Kontinuierliche Rückmeldungen ermöglichen eine laufende Entwicklung und fördern eigenverantwortliches Arbeiten. Regelmäßiges Feedback stärkt außerdem Motivation, Zusammenarbeit und Bindung an das Unternehmen.
Welche Fehler sollten Führungskräfte beim Feedback vermeiden?
Persönliche Angriffe, einseitige Kritik und das ständige Senden von „Du-“ oder „Sie-Botschaften“ erschweren ein konstruktives Gespräch. Ebenso wenig helfen Lobhudelei oder Zynismus. Erfolgreiches Feedback basiert auf Wertschätzung, Ehrlichkeit und einer wertschätzenden und lösungsorientierten Kommunikation.
Welche Bedeutung haben Wertschätzung und Anerkennung im Feedback?
Wertschätzung und Anerkennung schaffen die Grundlage dafür, dass Feedback angenommen werden kann. Wertschätzung richtet sich auf den Menschen, Anerkennung auf eine konkrete Leistung. Wer sich wertgeschätzt fühlt, kann Kritik leichter annehmen. Gleichzeitig stärkt Wertschätzung Motivation, Selbstwertgefühl und Mitarbeiterbindung.
Wie unterstützt Feedback die Motivation von Mitarbeitenden?
Feedback macht Leistungen sichtbar und zeigt Entwicklungsmöglichkeiten auf. Mitarbeitende erhalten Orientierung und erleben, dass ihre Arbeit wahrgenommen wird. Regelmäßige Rückmeldungen fördern eigenverantwortliches Arbeiten und erhöhen Motivation sowie Identifikation mit den gemeinsamen Zielen.
Welche Bedeutung hat psychologische Sicherheit für Feedback?
Offenes Feedback gelingt dort, wo Mitarbeitende ihre Meinung äußern, Fragen stellen und auch Fehler ansprechen können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Führungskräfte fördern psychologische Sicherheit, indem sie zuhören, unterschiedliche Meinungen zulassen, aktiv Feedback einholen und offen mit Fehlern umgehen.
Warum sollte eine Führungskraft selbst Feedback einholen?
Gute Führungskräfte entwickeln nicht nur ihre Mitarbeitenden weiter, sondern auch sich selbst. Wer regelmäßig Feedback aus dem Team einholt, erhält wichtige Hinweise auf die Wirkung des eigenen Führungsverhaltens und schafft gleichzeitig eine Kultur gegenseitigen Vertrauens und Lernens.
Wie können Führungskräfte Feedback als Hilfe zur Selbsthilfe nutzen?
Ein wirksames Feedback gibt nicht nur eine Rückmeldung über Vergangenes, sondern regt zum Nachdenken und zur eigenen Lösungsfindung an. Führungskräfte unterstützen Mitarbeitende dabei, ihre eigenen Stärken zu erkennen, Entwicklungsmöglichkeiten zu entdecken und eigenverantwortlich an Verbesserungen zu arbeiten. Genau darin liegt die Kraft eines guten Feedbackgesprächs.
Unternehmerin, Autorin, Mental Coach und Keynote Speaker
Antje Heimsoeth – Ihre berufliche Laufbahn begann Sie als Geodätin. Heute gehört Sie als Expertin für Mentale Stärke, Motivation, Leadership, Veränderung, Selbstführung und Spitzenleistungen und neunfache Buchautorin (Ihre Bücher finden Sie hier >>) zu den bekanntesten und einflussreichsten Mental Coaches im gesamten deutschsprachigen Raum. Sie wurde als „Vortragsrednerin des Jahres 2014“, mit dem Award „Erfolgreiche Unternehmerin 2016“ und in 2017 mit TOP 100 Erfolgstrainer (durch das Magazin ERFOLG) ausgezeichnet. Bei Managern und Medien gilt sie als „renommierteste Motivationstrainerin Deutschlands“ (FOCUS). Antje Heimsoeth besticht durch ihre Praxisfundierung, ihre gewinnende Art und ihre persönliche Leidenschaft für die Themen Mentale Stärke, Selbstführung und Motivation. Sie liefert Content vom Allerfeinsten und begeistert durch ihre Anschaulichkeit. Sie brennt für ihre Themen und ihre Kunden und das spürt ihr Gegenüber. Ihre Vorträge sind fast immer ausgebucht.




Das Thema Feedback ist in der Tat äußerst wichtig.
Nur mit regelmäßigem Feedback weiß man um seine Stärken und Schwächen und kann sich somit weiterentwickeln.
Danke für den spannenden Artikel!
Liebe Grüße
Chris
guter Artikel, ich kriege gerade im Foto Workshop viele Feedbacks, das motiviert unheimlich, ich sehe, ich bin auf dem richtigen Weg und das bestätigt mich, weiter zu machen.
Ich habe von Thomas Gordon gelernt, dass es beim aktiven Zuhören auch immer darum geht, das Gefühl, das hinter einer Aussage steht, wieder zu spiegeln? Wie siehst du das?