Mehrwert Dankbarkeit – warum es sich lohnt, „Danke“ zu sagen

Mehrwert Dankbarkeit – warum es sich lohnt, „Danke“ zu sagen

Autor

Antje Heimsoeth

Datum

27. Mrz 2019

Wie oft und bei welcher Gelegenheit haben Sie sich heute für etwas bedankt? Ein geäußertes „Dankeschön“ gegenüber Ihren Mitmenschen ist die beste Investition in ein gedeihliches Miteinander. Ein Mitarbeiter, der unmittelbaren Dank für seine Arbeit erfährt, wird positiv in seinem Tun bestärkt. Kurzum: Durch Dank machen Sie andere zu Wiederholungstätern. Ein Experiment mit Kunden eines Juweliers zeigte, dass jene Kunden, die nach einem Kauf angerufen wurden, um ihnen dafür einfach Dank zu zollen, im Nachgang um 70 % mehr kauften. In einer anderen Untersuchung waren Stammgäste eines Restaurants spendierfreudiger beim Tipp, wenn die Bedienung ein „Danke“ auf die Rechnung geschrieben hatte (Quelle: wikipedia). Dankbarkeit und Erfolg sind eng miteinander verknüpft.

Nun geht es nicht immer darum, mit einem „Danke“ das Kauf- oder Bezahlverhalten zu beeinflussen. Dankbarkeit kennt mindestens ebenso viele Gründe wie Formen. Und ihre positive Wirkung hat die Forschung längst bewiesen. Doch warum tun wir uns dennoch im Alltag immer wieder schwer damit? Die Psychologen Amit Kumar und Nicholas Epley haben darauf 2018 mit ihrer Studie „Undervaluing Gratitude: Expressers Misunderstand the Consequences of Showing Appreciation“ eine Antwort gefunden: Wir verkennen aufgrund unserer Denkmuster, wie positiv ein einfaches „Danke“ beim Gegenüber ankommt. Wir neigen dazu, den Ausdruck unserer Dankbarkeit von der mutmaßlichen Reaktion unseres Gegenübers abhängig zu machen. Dabei unterschätzen wir, wie viel Freude wir tatsächlich beim anderen erzeugen – und wie sehr es auch bei uns selbst positive Gefühle erzeugt. Kumar und Epley forderten die Probanden auf, selbst verfasste Dankesbriefe an Bekannte zu verschicken und vorab deren Reaktion einzuschätzen. Ebenso befragten die Forscher die Empfänger der Briefe nach ihrer Reaktion. Das Ergebnis: Die Empfänger waren in einem höheren Maße positiver gestimmt und bewerteten die Briefe weitaus warmherziger als die Sender es zuvor vermutet hatten. Besonders auseinander klafften Annahme und Realität bei der Wahl der Worte. Während die Sender glaubten, ihre Formulierungen seien schwach, empfanden dies die Empfänger anders. Die Sorge der Sender, keine angemessenen Worte gefunden zu haben, war unnötig gewesen.

Was lernen wir daraus? Einfach öfter Dankbarkeit zum Ausdruck bringen ohne dabei um Wirkung, Formalien und Etikette zu fürchten. Denn das fanden die Forscher auch noch heraus: Je negativer die Reaktion des Empfängers vorab eingeschätzt wurde, desto seltener wurde ihm ein Dankesbrief geschickt. Schade, denn dabei brachten sich die Sender um einen weiteren wohltuenden Effekt: Jene Sender, die nämlich trotz ihrer Vorbehalte einen Brief versandt hatten, stellten danach fest, dass sie positiver als sonst gestimmt waren (Quelle: Universität Mannheim).

Dankbarkeit tut gut – Ihnen wie anderen

Zögern Sie also nicht, Ihrem Team oder Ihrer Assistenz gegenüber Dankbarkeit zu zeigen – durch Worte, Gesten, Mimik oder auch Taten. Dankbarkeit ist in der Mitarbeiterführung unverzichtbar. Am leichtesten lässt sie sich zeigen in Form von Anerkennung und Lob. Wenn Sie Anerkennung zeigen und Lob äußern, verbessern Sie jede Situation, weil Sie das Positive verstärken. Mit einem „Mir gefällt, wie Sie/du ….“ bauen Sie Ihr Gegenüber auf und wenden das Prinzip der positiven Verstärkung an. Die Psychologie der Dankbarkeit geht davon aus, dass jede Form der Dankbarkeit, ob als Lob, Kompliment oder Dankesgeste, eine aufbauende Motivation ist, die anspornt und zu besseren Leistungen führt.

Wie wichtig im Beruf Anerkennung und Wertschätzung, und nichts anderes ist Dankbarkeit ja auch, habe ich in diesem Artikel beschrieben.

Und unterschätzen Sie nicht wie die erwähnten Probanden die Wirkung der gelebten Dankbarkeit auf Ihre eigene Person. Die Forschung hat hier schon länger deutliche Erkenntnisse. Neben bekannten Größen wie Martin Seligman oder Mihaly Csikszentmihalyi hat der Dankbarkeitsforscher Robert Emmons (“Vom Glück, dankbar zu sein: eine Anleitung für den Alltag”) bereits 2003 in einer Studie gezeigt, dass Dankbarkeit einen positiven Effekt auf das eigene Befinden hat. Emmons unterteilte seine Probanden in drei Gruppen: Gruppe 1 schrieb über einen Zeitraum von zehn Wochen auf, wofür sie dankbar war. Gruppe 2 schrieb über schlechte Erfahrungen und Gruppe 3 notierte neutral, was sie erlebt hatte. Gruppe 1 hatte nach Ablauf der zehn Wochen mehr Optimismus aufgebaut als die anderen. Sie fühlte sich besser, körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Verspannungen hatten sich reduziert. Gleichzeitig trieb Gruppe 1 mehr Sport als die anderen Gruppen. Die Dankbarkeit hatte eine wohltuende Wirkung gehabt.

Dankbarkeit sorgt für jede Menge Pluspunkte, z.B.

… Pluspunkt Belastbarkeit

Dankbarkeit hat einen starken Einfluss auf Wohlbefinden und Gesundheit. Dankbare Menschen sind liebevoller, entspannter, schmerzfreier, gesünder und energievoller. Sie haben weniger Stress, nehmen weniger Drogen und schlafen schneller ein. Sie haben grundsätzlich eine bessere körperliche Konstitution als Menschen, die ihren Fokus vor allem auf die Dinge richten, die ungünstig in ihrem Leben laufen. Zudem achten dankbare Menschen besser auf sich selbst und erholen sich schneller von Krankheiten.

… Pluspunkt Resilienz

Dankbare Menschen haben ein reichhaltigeres Spektrum an positiven Möglichkeiten, um mit Schwierigkeiten umzugehen. Sie besitzen eine erhöhte Problemlösungskompetenz und können auch besser mit Veränderungen und Wachstum umgehen. Das rührt vermutlich daher, dass sie über mehr positive als negative Bewältigungsstrategien verfügen. Anstatt Probleme zu leugnen, zu ignorieren oder die Schuld dafür bei anderen zu suchen, können dankbare Menschen Probleme eher erkennen, auch sich selbst als Ursache dafür sehen und sich entsprechende Hilfe holen.
Blogartikel Resilienz – Wie wichtig ist Widerstandsfähigkeit im Leben?

… Pluspunkt Sozialkompetenz

Dankbare Menschen sind weniger gehemmt, andere Menschen um Hilfe zu bitten oder sich auf sie einzulassen. Sie treten mit anderen häufiger und öfter in Interaktion. Sie haben einen größeren Freundeskreis und ernten mehr Sympathie von anderen. Denn über das eigene Verhalten und das, was dankbare Menschen ausstrahlen, verändern sie zugleich das Verhalten anderer – ihr positives Sozialverhalten verstärkt das positive Verhalten ihrer Mitmenschen.

Tipp zum Üben: Das „Lucky me“-Logbuch

Schreiben Sie in ein Heft (ja, ganz altmodisch analog) über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen jeden Morgen, z.B. beim Frühstück, drei Dinge, die Sie sich für den Tag wünschen. Das können konkrete Vorhaben sein, die erfolgreich verlaufen sollen, oder auch Wünsche, die Ihre Gefühlslage oder innere Haltung betreffen.

Passend zu Ihren Wünschen notieren Sie sich darunter noch eine Affirmation, also einen positiven, unterstützenden Satz, der idealerweise mit „Ich“ beginnt, ohne Verneinungen und Vergleiche formuliert ist, wie z.B. „Ich nehme heute jede Herausforderungen freudig an.“

Im Tagesverlauf rufen Sie sich sowohl Ihre Wünsche als auch Ihre Affirmation immer wieder mal zwischendurch in Erinnerung.

Am Abend notieren Sie in Ihrem Dankbarkeits-Tagebuch (Blogartikel dazu finden Sie hier >>), für welche drei Dinge Sie an diesem Tag tatsächlich dankbar sind. Benennen Sie die Dinge möglichst konkret und ungeschönt. Wofür sind Sie an diesem Tag wirklich dankbar? Sie werden sehen: das tägliche Besinnen wird Ihre innere Haltung verändern – ebenso wie Ihr Befinden.

Also, haben Sie Mut und Bereitschaft zur Dankbarkeit! Jeder Tag bietet uns ungezählte Chancen, Dankbarkeit zu empfinden und zu zeigen. Wir müssen sie nur nutzen – und gemeinsam davon profitieren. Schon Francis Bacon wusste: „Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“

Beantworten Sie doch hier im Kommentarfeld die Frage:
Wofür sind Sie heute (in den letzten Tagen) dankbar?

© Ihre Antje Heimsoeth

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3 Kommentare

  1. Liebe Frau Heimsoeth, das mit der Dankbarkeit klappt leider nicht immer. Ich hatte mir überlegt, meinen damals neuen ( und alten) Mitarbeitern zu Weihnachten ein kleines Geschenk zu machen und hab allen eine Karte dazu gelegt, selbst geschrieben individuell mit persönlichem Spruch und dem Satz, DANKE, dass Sie da sind. Alle neuen MA haben wenig später gekündigt und das obwohl nach Tarif gezahlt wird, flache Hierarchie, alle Überminuten genommen werden können ect ect.

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  2. WIE WAHR GANZ GANZ SCHWIERIG ZULERNEN

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  3. Ich bin heute dankbar für die Gespräche, die ich hatte. Sie haben mir eine Richtung gegeben und gezeigt, dass ich selber über mein leben entscheiden kann.
    Ich bin dankbar für die Menschen mit denen ich heute Zeit verbracht habe.
    Und ich bin dankbar, dass ich meine Zugfahrt heute mit einem lieben Freund verbringen durfte.

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