Internationaler Trainer-Kongress des BDFL v. 27.07. – 29.07.2026 in Mainz, top Organisation, top Referenten und viele Begegnungen mit Kollegen, Trainern, Teilnehmenden und Bekannten. Ca. 1400 Trainer, darunter leider nur 28 Frauen.
Beim Internationalen Trainer-Kongress in Mainz sprach am ersten Tag Rudi Völler über Verantwortung, Kritik, Widerstandsfähigkeit und die Zukunft der deutschen Nationalmannschaft.
Erfolg im Spitzensport hängt nicht allein von Technik, Taktik und körperlicher Leistungsfähigkeit ab. Entscheidend ist auch, wie Trainer, Spieler und Verantwortliche mit Druck, öffentlicher Kritik, Enttäuschungen und schwierigen Entscheidungen umgehen.
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Beim Internationalen Trainer-Kongress führte Sky-Moderator Michael Leopold am ersten Tag des Kongresses ein 45-minütiges Interview mit Rudi Völler, Sportdirektor der deutschen A-Nationalmannschaft. Im Mittelpunkt standen die Entwicklung der Nationalmannschaft, die besondere Verantwortung eines Bundestrainers, der Umgang mit öffentlicher Kritik, die Bedeutung von Widerstandsfähigkeit und die Frage, was eine erfolgreiche Mannschaft auszeichnet.
Das Gespräch bot zahlreiche Anknüpfungspunkte für Trainerinnen und Trainer. Zugleich lassen sich viele der angesprochenen Prinzipien auf Führungskräfte, Unternehmer und andere High Performer übertragen. Der folgende Beitrag fasst zentrale Inhalte des Interviews mit meinen eigenen Worten zusammen und ordnet sie aus der Perspektive von mentaler Stärke, Selbstführung und High Performance ein.
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Verantwortung bedeutet, mit unterschiedlichen Meinungen leben zu können
Trainer müssen Entscheidungen treffen, die nicht allen gefallen können. Sie nominieren Spieler, bestimmen eine Aufstellung, wählen ein Spielsystem und entscheiden über Rollen innerhalb einer Mannschaft. Jede dieser Entscheidungen betrifft Menschen. Gleichzeitig wird sie von Medien, Fans, Experten und anderen Beteiligten bewertet.
Rudi Völler machte im Gespräch deutlich, dass gerade das Amt des Bundestrainers mit einer besonderen öffentlichen Aufmerksamkeit verbunden ist. Entscheidungen über Nominierungen, Aufstellungen und taktische Ausrichtungen lösen zwangsläufig unterschiedliche Reaktionen aus. Trainer können daher nicht erwarten, für jede Entscheidung allgemeine Zustimmung zu erhalten. Für Führungskräfte gilt etwas Vergleichbares. Auch sie müssen Prioritäten setzen, Aufgaben verteilen, Leistungen beurteilen und gelegentlich Entscheidungen treffen, die einzelne Mitarbeitende enttäuschen.
Mentale Stärke zeigt sich in solchen Situationen nicht darin, Kritik zu verhindern. Sie zeigt sich darin, unterschiedliche Sichtweisen auszuhalten und dennoch verantwortlich zu handeln.
Entscheidungen müssen aus einer inneren Überzeugung entstehen
Zum Abschluss des Interviews wandte sich Rudi Völler an die anwesenden Trainerinnen und Trainer. Seine Botschaft lässt sich so zusammenfassen: Wer Verantwortung trägt, kann es nicht allen recht machen. Deshalb sollte eine Entscheidung aus einer eigenen Überzeugung heraus getroffen und anschließend auch persönlich vertreten werden können.
Darin liegt ein wesentliches Merkmal glaubwürdiger Führung. Trainer und Führungskräfte brauchen die Fähigkeit, Informationen zu sammeln, verschiedene Perspektiven einzubeziehen und mögliche Folgen abzuwägen. Irgendwann muss die Analyse jedoch in eine Entscheidung münden. Wer ausschließlich danach handelt, wie eine Entscheidung vermutlich von anderen aufgenommen wird, verliert seine eigene Orientierung. Führung wird dann von der Angst vor Kritik geprägt.
Eine tragfähige Entscheidung verbindet:
- fachliche Kompetenz,
- Erfahrungen,
- eine sorgfältige Einschätzung der Situation,
- klare Werte,
- Verantwortungsbewusstsein
- und die Bereitschaft, Konsequenzen zu tragen.
Die eigene Überzeugung ersetzt keine Analyse. Sie ist vielmehr das Ergebnis einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den vorhandenen Informationen.
Die besondere Belastung eines Bundestrainers
Im Interview wurde deutlich, dass die Tätigkeit eines Nationaltrainers anderen Bedingungen unterliegt als die tägliche Arbeit eines Vereinstrainers. Im Vereinsfußball folgen Trainingseinheiten und Spiele in kurzen Abständen. Nach einem Misserfolg gibt es oft zeitnah die Möglichkeit, etwas zu verändern und mit einer neuen Leistung zu reagieren.
Bei einer Nationalmannschaft liegen zwischen den gemeinsamen Phasen deutlich längere Zeiträume. Gleichzeitig konzentriert sich die öffentliche Aufmerksamkeit während eines Turniers besonders stark auf den Trainer, die Mannschaft und jede einzelne Entscheidung.
Rudi Völler beschrieb den Druck während großer Turniere als erheblich. Er verwies darauf, dass Trainer letztlich an Ergebnissen gemessen werden und dass öffentliche Kritik die ohnehin hohe Belastung zusätzlich verstärken kann.
Diese Situation zeigt ein grundsätzliches Problem von High Performance: Je größer die Verantwortung und je höher die Sichtbarkeit, desto stärker wird das Handeln von außen bewertet. Nicht jede Kritik ist sachlich. Nicht jede Bewertung berücksichtigt den vollständigen Kontext. Dennoch müssen Verantwortliche lernen, zwischen berechtigter Rückmeldung, persönlicher Meinung und überzogener Kritik zu unterscheiden.
Kritik prüfen, ohne sich von ihr steuern zu lassen
Kritik gehört zum Spitzensport. Sie kann wichtige Hinweise geben und Entwicklung fördern. Sie kann aber auch einseitig, emotional oder unfair sein.
Rudi Völler äußerte im Gespräch die Einschätzung, dass manche Kritik an früheren Verantwortlichen zu hart oder ungerecht gewesen sei. Zugleich bestritt er nicht, dass Trainer für sportliche Entscheidungen und Ergebnisse Verantwortung tragen.
Aus mentaler Sicht ist diese Unterscheidung entscheidend. Ein professioneller Umgang mit Kritik besteht nicht darin, jede Rückmeldung abzuwehren. Er besteht aber auch nicht darin, jede öffentliche Meinung ungeprüft zu übernehmen.
Hilfreiche Fragen sind:
- Enthält die Kritik einen konkreten und nachvollziehbaren Hinweis?
- Bezieht sie sich auf eine Entscheidung, ein Verhalten oder pauschal auf die Person?
- Welche Aspekte kann ich beeinflussen?
- Was kann ich daraus lernen?
- Welche Kritik oder Forderung darf ich bewusst zurückweisen?
Mentale Stärke bedeutet, Kritik zu prüfen, ohne die eigene Identität von ihr abhängig zu machen. Eine erfolglose Entscheidung macht einen Menschen nicht automatisch zu einem erfolglosen Menschen. Ein schlechtes Spiel definiert nicht den Wert eines Spielers. Eine Niederlage beschreibt ein Ergebnis, nicht die vollständige Kompetenz einer Mannschaft.
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Enttäuschungen wahrnehmen und wieder handlungsfähig werden
Nach einem enttäuschenden Turnier ist es weder glaubwürdig noch hilfreich, sofort zur Tagesordnung überzugehen. Trainer, Spieler und Verantwortliche investieren viel Zeit, Energie und persönliche Leidenschaft in ein großes Ziel. Wenn dieses Ziel nicht erreicht wird, entstehen Enttäuschung, Frustration und möglicherweise auch Selbstzweifel.
Im Interview wurde angesprochen, dass ein hoher eigener Anspruch die Enttäuschung nach einem unbefriedigenden Ergebnis zusätzlich verstärken kann. Ebenso können persönliche und öffentlich vorgetragene Angriffe eine erhebliche Belastung darstellen.
Mentale Stärke bedeutet nicht, diese Gefühle wegzudrücken oder abzuschalten.
Sie bedeutet:
- die emotionale Reaktion wahrzunehmen,
- das Geschehene möglichst realistisch zu analysieren,
- Verantwortung für beeinflussbare Faktoren zu übernehmen,
- Schlussfolgerungen und Learnings abzuleiten
- und anschließend wieder ins Handeln zu kommen.
Wer Emotionen verdrängt, hat sie noch nicht verarbeitet. Wer ausschließlich in Enttäuschung und Schuldzuweisungen verharrt, verliert jedoch seine Handlungsfähigkeit.
Was ist konstruktive Selbstkritik?
Nach Niederlagen beginnt häufig eine intensive Fehleranalyse. Das ist im Leistungssport und im Business notwendig. Entscheidend ist jedoch, wie diese Analyse durchgeführt wird.
Konstruktive Selbstkritik fragt:
- Was hat nicht funktioniert?
- Welche Entscheidungen müssen wir überprüfen?
- Welche Fähigkeiten konnten wir nicht abrufen?
- Was müssen wir im Training stärker entwickeln?
- Welche Verhaltensweisen sollten wir beibehalten?
- Was können wir beim nächsten Mal anders machen?
Destruktive Selbstkritik dagegen führt zu pauschalen Urteilen:
- Wir können es einfach nicht.
- Wir sind nicht gut genug.
- Alles war falsch.
- Einzelne Personen sind allein schuld.
Eine solche Bewertung fördert weder Lernen noch Veränderung.
Im Interview sprach Rudi Völler unter anderem darüber, dass es der Mannschaft in entscheidenden Situationen an Widerstandsfähigkeit und an der gemeinsamen Umsetzung bestimmter Anforderungen gefehlt habe. Dabei bezog er diese Aufgabe nicht nur auf einzelne Positionen, sondern auf die gesamte Mannschaft. Damit verschiebt sich der Fokus von einer einfachen Schuldfrage hin zu einer Entwicklungsfrage: Was muss ein Team gemeinsam verbessern, um unter Druck erfolgreicher zu sein und zu handeln?
Widerstandsfähigkeit ist keine Aufgabe einzelner Spieler: Warum Resilienz eine Teamaufgabe ist
Im Fußball wird nach Niederlagen häufig über individuelle Fehler gesprochen. Ein Gegentor wird einem Verteidiger, ein vergebener Abschluss einem Stürmer oder eine taktische Entscheidung dem Trainer zugeschrieben. Eine leistungsfähige Mannschaft funktioniert jedoch nicht als Ansammlung voneinander unabhängiger Einzelpersonen.
Rudi Völler betonte im Gespräch, dass erfolgreiches Verteidigen eine Aufgabe der gesamten Mannschaft sei. Es gehe um gemeinsames Engagement, gegenseitige Unterstützung und die Bereitschaft, als Team gegen den Ball zu arbeiten.
Das lässt sich auf jede Form der Zusammenarbeit übertragen. In einem Unternehmen ist eine Krise ebenfalls selten nur die Aufgabe einer einzelnen Abteilung. Eine Strategie kann nur funktionieren, wenn verschiedene Bereiche ihren Beitrag leisten und sich nicht gegenseitig die Verantwortung zuschieben.
Teamresilienz bedeutet:
- gemeinsam auf Belastungen zu reagieren,
- Verantwortung nicht weiterzureichen,
- sich gegenseitig zu unterstützen,
- Fehler offen anzusprechen,
- aus Rückschlägen zu lernen
- Fokus auf das gemeinsame, klar formulierte Ziel.
Widerstandsfähige Teams entstehen nicht erst in schwierigen Situationen. Sie werden im Alltag entwickelt: durch Vertrauen, Klarheit, Verlässlichkeit und gemeinsame Erfahrungen.
Eine gemeinsame Idee braucht echtes Commitment
Trainer können eine taktische Idee entwickeln und verständlich präsentieren. Ob sie auf dem Platz funktioniert, hängt jedoch davon ab, ob die Spieler an diese Idee glauben und bereit sind, sie gemeinsam umzusetzen.
Im Interview wurde herausgestellt, dass eine anspruchsvolle Spielweise das Commitment der gesamten Mannschaft erfordert. Nicht nur die eingesetzten Spieler, sondern der komplette Kader muss eine gemeinsame Vorstellung mittragen.
Commitment zeigt sich nicht allein in Worten. Es wird in konkreten Situationen sichtbar:
- Bin ich bereit, zusätzliche Wege zu gehen?
- Unterstütze ich andere, wenn sie einen Fehler machen?
- Erfülle ich meine Rolle auch dann, wenn sie nicht meiner Wunschrolle entspricht?
- Halte ich mich an gemeinsame Vereinbarungen?
- Bleibe ich engagiert, wenn ich nicht im Mittelpunkt stehe?
- Stelle ich das gemeinsame Ziel über kurzfristige persönliche Interessen?
Diese Fragen sind auch für Unternehmen und Führungsteams relevant.
Talent allein bildet noch keine erfolgreiche Mannschaft
Im internationalen Fußball verfügen viele Nationen über außergewöhnlich talentierte Spieler. Trotzdem gewinnt nicht automatisch die Mannschaft mit den bekanntesten Namen.
Rudi Völler sprach im Interview über die Bedeutung einer qualitativen Breite im Kader. Gleichzeitig machte er deutlich, dass individuelle Klasse allein nicht genügt. Mannschaften müssen auch geschlossen auftreten, verteidigen und eine gemeinsame Spielidee umsetzen.
Das ist eine zentrale Erkenntnis aus dem Spitzensport:
Eine Gruppe von High Performern ist noch kein High-Performance-Team.
Individuelle Kompetenz ist wichtig. Sie entfaltet ihre volle Wirkung aber erst, wenn Rollen, Beziehungen und Zusammenarbeit funktionieren.
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Führung heißt unterstützen und zugleich ehrlich bleiben
Eine weitere Frage des Interviews betraf das Verhältnis zwischen Sportdirektor und Trainer.
Rudi Völler beschrieb seine Rolle sinngemäß als die eines erfahrenen Ansprechpartners, der seine Erfahrung zur Verfügung stellt und unterstützt, wenn dies benötigt wird.
Gute Führung verbindet daher Rückhalt und Klarheit.
Rückhalt bedeutet:
- Kritik zunächst intern zu besprechen,
- Menschen nicht öffentlich bloßzustellen,
- in belastenden Phasen ansprechbar zu bleiben,
- Unterstützung anzubieten
- und die Person nicht mit einem einzelnen Ergebnis gleichzusetzen.
Klarheit bedeutet:
- Probleme nicht zu verschweigen,
- Leistung ehrlich zu beurteilen,
- Erwartungen deutlich zu formulieren,
- Verantwortung einzufordern
- und notwendige Veränderungen anzusprechen.
Psychologische Sicherheit gibt Menschen die Sicherheit, offen über Fehler und Zweifel sprechen zu können. Gleichzeitig bleiben die gemeinsamen Leistungsstandards bestehen.
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Kommunikation wird unter Druck zur Führungsaufgabe
Öffentliche Kommunikation war ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs. Trainer müssen Entscheidungen nicht nur treffen, sondern auch erklären. Sie sprechen mit Spielern, Mitarbeitenden, Verbandsverantwortlichen, Fans und Medien. Dabei verfolgen diese Gruppen unterschiedliche Interessen und verfügen nicht über dieselben Informationen.
Im Interview wurde deutlich, dass kommunikative Entscheidungen die öffentliche Wahrnehmung eines Trainers erheblich beeinflussen können. Aussagen über Spieler, Nominierungen oder sportliche Entscheidungen können Diskussionen verstärken und zusätzlichen Druck erzeugen. Unter Druck steigt das Risiko, impulsiv, defensiv oder missverständlich zu kommunizieren.
Vor wichtigen Gesprächen oder öffentlichen Auftritten helfen deshalb einige Leitfragen:
- Was ist meine zentrale Botschaft?
- Welche Fakten kann und muss ich transparent machen?
- Welche Informationen gehören in ein internes Gespräch?
- Wie kann ich eine Entscheidung erklären, ohne einzelne Menschen abzuwerten?
- Spreche ich gerade aus Klarheit oder aus einer spontanen emotionalen Reaktion?
- Welche Wirkung könnte meine Formulierung bei unterschiedlichen Adressaten auslösen?
Kommunikative Stärke bedeutet nicht, auf jede Frage sofort eine umfassende Antwort geben zu müssen. Sie bedeutet, bewusst, respektvoll und verantwortungsvoll zu kommunizieren.
Prozess- und Handlungsziele konzentrieren sich auf beeinflussbare Faktoren
Im Interview wurde mehrfach angesprochen, dass eine Mannschaft es ihren Gegnern schwer machen müsse, sie zu schlagen. Diese Formulierung richtet den Blick weniger auf ein bloßes Ergebnis als auf das Verhalten, das für sportlichen Erfolg erforderlich ist.
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Aus Sicht des Mentaltrainings ist diese Unterscheidung besonders wertvoll.
Ein Ergebnisziel beschreibt, was am Ende erreicht werden soll:
- ein Spiel gewinnen,
- ein Finale erreichen,
- einen Titel holen,
- ein Projekt erfolgreich abschließen,
- einen bestimmten Umsatz erzielen.
Das Ergebnis lässt sich jedoch niemals vollständig kontrollieren.
Prozess- und Handlungsziele konzentrieren sich dagegen auf beeinflussbare Faktoren:
- Wie bereiten wir uns vor?
- Wie kommunizieren wir?
- Wie reagieren wir auf Fehler?
- Wie konsequent setzen wir unsere Strategie um?
- Wie unterstützen wir uns gegenseitig?
- Wie bleiben wir in schwierigen Phasen konzentriert?
Große Ziele geben eine Richtung vor. Prozessziele schaffen tägliche Orientierung.
Unter hohem Druck ist es deshalb hilfreich, die Aufmerksamkeit immer wieder auf die nächste beeinflussbare Handlung zu lenken.
Demut bedeutet nicht, auf große Ziele zu verzichten
Nach enttäuschenden Ergebnissen entsteht häufig die Forderung, Erwartungen deutlich zu reduzieren. Eine realistische Analyse ist notwendig. Sie darf jedoch nicht dazu führen, dass ein Team den Glauben an die eigenen Möglichkeiten verliert.
Rudi Völler verband im Interview die Anerkennung bestehender Defizite mit der Überzeugung, dass Deutschland weiterhin hohe sportliche Ziele verfolgen dürfe. Gleichzeitig betonte er, dass dafür eine bessere gemeinsame Leistung notwendig sei.
Darin liegt die Verbindung von Demut und Zuversicht.
Demut bedeutet:
- die Herausforderung ernst zu nehmen,
- eigene Schwächen anzuerkennen,
- Gegner zu respektieren,
- lernbereit zu bleiben
- und Erfolg nicht als selbstverständlich zu betrachten.
Zuversicht bedeutet:
- die eigenen Stärken wahrzunehmen,
- an Entwicklung zu glauben,
- sich anspruchsvolle Ziele zu setzen
- und trotz Rückschlägen weiterzuarbeiten.
Demut ohne Zuversicht kann zu Verunsicherung führen. Zuversicht ohne Demut kann in Selbstüberschätzung enden. High Performance braucht beides.
Was Trainer und Führungskräfte aus dem Interview ableiten können
Das Gespräch zwischen Michael Leopold und Rudi Völler zeigt, dass erfolgreiche Führung im Spitzensport weit über taktische Entscheidungen hinausgeht.
Trainer und andere Verantwortliche müssen:
- unter öffentlichem Druck entscheidungsfähig bleiben,
- unterschiedliche Meinungen aushalten,
- Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen,
- Kritik differenziert prüfen,
- Menschen schützen, ohne Probleme zu verschweigen,
- nach Enttäuschungen wieder handlungsfähig werden,
- gemeinsames Commitment entwickeln,
- Widerstandsfähigkeit im Team (Teamresilienz) fördern
- und hohe Ziele mit realistischer Arbeit verbinden.
Diese Anforderungen gelten in ähnlicher Form auch für Führungskräfte und High Performer außerhalb des Sports.
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In stabilen Phasen lassen sich Probleme häufig überdecken. Erst unter Druck wird sichtbar, wie belastbar Vertrauen, Kommunikation und Zusammenarbeit tatsächlich sind.
Fazit: Mentale Stärke zeigt sich in der nächsten Handlung
Mentale Stärke bedeutet nicht, von Kritik, Druck und Enttäuschung unberührt zu bleiben. Sie bedeutet, die eigene Reaktion wahrzunehmen und trotzdem verantwortlich zu handeln.
Sie zeigt sich darin,
- Entscheidungen aus einer begründeten Überzeugung zu treffen,
- Kritik zu prüfen, ohne sich von ihr beherrschen zu lassen,
- Fehler anzuerkennen, ohne sich selbst abzuwerten,
- andere Menschen zu unterstützen und trotzdem klare Erwartungen zu formulieren,
- nach Rückschlägen wieder den Blick nach vorne zu richten
- und als Team auch dann zusammenzuarbeiten, wenn es schwierig wird.
Das Interview mit Rudi Völler macht deutlich: Im Spitzensport entscheidet nicht allein, wer über die besten Einzelspieler oder die größte fachliche Kompetenz verfügt. Entscheidend ist, ob Menschen unter Druck gemeinsam handlungsfähig bleiben. Genau darin liegt eine der wichtigsten Lektionen, die Trainer, Führungskräfte und High Performer vom Spitzensport lernen können.
Weiterlesen: Mentale Stärke: Was wir von Spitzensportlern lernen können
Quellen- und Transparenzhinweis
Grundlage dieses Beitrags ist das Interview von Sky-Moderator Michael Leopold mit Rudi Völler beim Internationalen Trainer-Kongress am 27.07.2026 in Mainz. Die Aussagen aus dem Gespräch wurden zusammengefasst und mit eigenen Worten wiedergegeben. Es wurden keine ungeprüften wörtlichen Zitate aus dem Interview übernommen.
Die fachliche Einordnung zu mentaler Stärke, Selbstführung, Teamresilienz und High Performance stammt von Antje Heimsoeth. Sie ist nicht als wörtliche Aussage von Michael Leopold oder Rudi Völler zu verstehen.
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