Wege, wie Führungskräfte Vertrauen verdienen können

Wege, wie Führungskräfte Vertrauen verdienen können - Antje Heimsoeth

Autor

Antje Heimsoeth

Datum

22. Feb 2021

Gestern haben wir uns in der Business Coach Ausbildung mit der Frage „Wie verdiene ich das Vertrauen derer, die ich führe?“ beschäftigt. Das ist die Grundlage für diesen Artikel.
Alle Beziehungen, auch im Beruf, beruhen auf Vertrauen. Unternehmen machen Geschäfte auf der Basis von Vertrauen. Informationen fließen aufgrund von Vertrauen. Kunden tätigen Käufe aus Vertrauen. Erfolgreiche Führung gewinnt durch ein hohes Vertrauensniveau.

Dabei wirken immer zwei Faktoren unserer Persönlichkeit auf andere: das Welt- und das Menschenbild – also das Vertrauen in die Welt – und das Selbstbild – also das Vertrauen in sich selbst.

Vertrauen ist das Fundament einer positiven Führung. Sie müssen lernen, wie Sie Ihre Mitarbeiter dazu bringen, Ihnen zu vertrauen. Darauf werden wir uns heute konzentrieren.

Weiterlesen: Vertrauen als Schlüssel zum Führungserfolg – warum Führung ohne diese Basis nicht funktioniert

3 Wege, wie Führungskräfte Vertrauen verdienen

Versprechen einhalten

Führungskräfte müssen sich das Vertrauen ihrer Mitarbeiter verdienen. Ein wesentlicher Faktor dabei ist, dass Führungskräfte ihre Versprechen einhalten, das heißt, dass sie das, was sie sagen auch tun. Claudia Weiler beschreibt dies anhand eines Praxisbeispiels gut nachvollziehbar: „In Meetings werden häufig Vorankündigungen für geplante Vorhaben gemacht. Diese sind meist erst einmal Ideenskizzen, aber die vorschlagenden Führungskräfte oder einzelne Mitarbeiter erhalten bereits ein Lob für die gute Idee dahinter. Glaubwürdig wird die Idee oder der Ideengeber allerdings erst, wenn das Gesagte in die Tat umgesetzt wird. Genau wie der Hirtenjunge in Äsops Fabel glauben auch Mitarbeiter einer Führungskraft nicht mehr, wenn sie (wissentlich) Falschaussagen macht oder regelmäßig ihre Meinung ändert. Je häufiger das vorkommt, desto weniger glaubwürdig wird die Führungskraft eingeschätzt. Eine Führungskraft wünscht sich Offenheit und fordert sie auch offen ab von den Mitarbeitern. Doch die Mitarbeiter geben kein Feedback. Ein durch Zufall mitgehörtes Gespräch zwischen zwei Mitarbeitern bringt die Misere dann auf den Punkt: Die Mitarbeiter beschweren sich, dass die Führungskraft sich nicht klar genug ausdrückt. Die Führungskraft ist enttäuscht und spricht dies offen gegenüber den Mitarbeitern an. Sie beschwert sich ihrerseits, dass sie sich mehr Offenheit wünsche, sie sich sehr wohl klar ausdrücke, die Mitarbeiter aber nicht richtig mitdenken würden etc. Folge: Wie man schnell bemerkt, ist dies keine wirklich angenehme Atmosphäre um offen sprechen zu können. Schuldzuweisungen, Rechtfertigungen und Ausreden machen eine offene Aussprache und den offenen Umgang mit Kritik unmöglich.“ (Weiler 2013)

Ich kann mich auf Ankündigungen und Versprechungen verlassen. Gerne unterschätzt, aber was macht es mit einem Menschen, wenn er lernt, dass die Ankündigungen seines Gegenübers nicht als wahr anzusehen sind? Was macht es mit einem Menschen, wenn er dies Jahre hindurch erfährt?

Annika Teerling beschreibt dies sehr dramatisch: „Als Führungskraft solltest du (…) nicht nur die No-Blame-Kultur vorleben, sondern auch zu deinem Wort stehen und deine Versprechen halten. Generell zahlt sich Ehrlichkeit in Form von Vertrauen aus. Kannst du aus irgendeinem Grund nicht über ein Thema sprechen, so kannst du auch dieses ehrlich mitteilen. Besonders wichtig ist, dass Ankündigungen und Versprechen Bestand haben und keine reinen Lippenbekenntnisse bleiben.“ (Teerling 2018)

Sich auf die Führungskraft verlassen können

Dr. Winfried Prost, Kommunikations- und Persönlichkeitsphilosoph und Coach sowie Leiter der Akademie für Ganzheitliche Führung in Köln, gibt in einem Interview für den Kölner Stadt-Anzeiger zum Thema „Warum Vertrauen so wichtig ist“ einen klaren Rat: „Wenn man sein Gegenüber beispielsweise erfahren lässt, dass er sich auf einen auch in kleinen Dingen verlassen kann. Wenn man jemandem das Gefühl vermittelt, dass man selbst etwas haben und ihm etwas nehmen will, wird er einem nicht vertrauen. Umgekehrt kann man ihm mit Großzügigkeit – wenn man ihm also vielleicht sogar etwas mehr gibt, als er erwarten kann – ein gutes Zeichen für Vertrauen setzen.“ (Horstmann 2013)

Klarheit schaffen und Komplexität reduzieren 

„Jede Naivität läuft Gefahr, lächerlich zu werden, verdient es aber nicht, denn es liegt in jeder Naivität ein unreflektiertes Vertrauen und ein Zeichen von Unschuld.“ Joseph Joubert 

Vertrauen schafft Klarheit und reduziert Komplexität. Dass dies auch im wirtschaftlichen Umfeld – schließlich ist die Grenze zwischen privat und beruflich in vielen Bereichen sowieso nicht mehr gegeben (ob das positiv oder negativ zu sehen ist, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen) und in der Führung gilt, bestätigt der Speaker und Autor zum Thema Leadership, Boris Grundl, der sich ebenfalls auf den eingangs zitierten Philosophen Nikolas Luhmann bezieht: „Der Philosoph Niklas Luhmann beschreibt aus meiner Sicht treffend die Mechanik hinter Vertrauen: Ein Mensch gibt eine Art „Kredit“, den er aus der Vergangenheit begründet. Damit bietet er eine Möglichkeit an, eine gemeinsame Zukunft zu gestalten. Dieser Mensch geht davon aus, dass der Andere seine Freiheit nicht missbraucht, um ihm zu schaden. Von dem Moment an, wo er vertraut, verzichtet er auf weitere Informationen über den anderen. Und damit reduziert er die Komplexität und schafft Klarheit. Das macht das Leben einfacher. „Vertrauensschwund ist ein Problem“ – Aussagen wie diese hören wir häufiger. Und gleichzeitig bemühen sie die ach so gute alte Zeit: „Damals konnte man noch seiner Führungskraft vertrauen!“ Ob es wirklich so war? Ich weiß es nicht. Mir fällt aber auf, wieviel Unklarheit in der Sache herrscht. Die Kommunikation wird von Weichspüler-Formulierungen dominiert: Zahlreiche Konjunktive, relativierende Sprachmuster oder umständliche Passivkonstruktionen verdeutlichen, wie die Unklarheit in unsere Äußerungen Einzug gehalten hat. Ein deutliches Zeichen dafür, wie wenig Verantwortung der Sprecher übernehmen möchte. Beispiel gefällig? Ich zitiere unseren Bundesinnenminister Thomas de Maizière: „Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.“ Eine unsichere Äußerung in ohnehin schon unsicheren Zeiten. Das führt deutlich vor Augen, woher der Vertrauensschwund kommt. Denn gerade in Zeiten von Unsicherheit steigt unser Bedürfnis nach Vertrauen.“ (Grundl 2015)

Den Appell hinsichtlich mehr klarer und verbindlicher Aussagen, aber auch einem verlässlichen Handeln, kann ich nur unterstützen. Warum bleiben wir in vielem nur so schwammig? Warum wollen wir uns nicht festlegen? Warum suchen wir schon lange vor der Gefahr, geschweige denn dem Scheitern, eine Exit-Strategie? Das trifft übrigens auch auf immer mehr Führungskräfte zu, die eigentlich wissen, was sie tun, in dem Moment davon überzeugt sein sollten und den Mitarbeitern diese Sicherheit auch vermitteln sollten. Irgendwie kann man sie manchmal ja auch verstehen. Gefordert von  ständigen Veränderungen, oftmals zwischen den Stühlen sitzend und manchmal einfach selbst heillos überfordert, fällt es natürlich schwer, Vertrauen zu vermitteln. Zumal wenn es schon am eigene (Selbst-)Vertrauen mangelt, aber zu diesem Thema kommen wir später noch. Vorher möchte ich den Gedanken der Klarheit noch einmal aufgreifen und erneut Boris Grundl zu Wort kommen lassen: „Für dieses Vertrauen ist Klarheit ein unabdingbares Element. Menschen sehnen sich nach Klarheit! Diese zu ertragen ist um ein Vielfaches leichter, als im Trüben zu fischen. Kämpfen Sie daher darum, die Dinge beim Namen zu nennen. Schaffen Sie mehr Klarheit! Reduzieren Sie die Worte, weniger ist mehr. Lehnen Sie es ab, sich zu Themen zu äußern, die Sie nicht durchdacht haben. Befreien Sie sich von der Harmoniesucht. Denn genau die führt zur Verwendung all dieser Weichspüler-Formulierungen, behindert die offene Kommunikation und führt zu Konflikten. Reduktion und eine aktive, verantwortungsgetriebene Sprache hingegen führen zu Klarheit und zu Vertrauen. Und wo wir vertrauen, können wir die wahren Dinge benennen, uns mit ihnen auseinandersetzen und Probleme und Konflikte lösen.“ (Grundl 2015)

Verwendete Literatur

Vertrauen entscheidetAntje Heimsoeth. „Vertrauen entscheidet: Die vergessene Basis der Führung“. Haufe. 2019 

Teerling, A. (2018) Vertrauen im Team aufbauen! Erkenntnisse der JLL Studie &  wertvolle Tipps für Führungskräfte https://www.teamazing.de/vertrauen-im-team-aufbauen-jjl-7-tipps-fuehrungskraefte/

Weiler, C. (2018) Führungskräfte und Glaubwürdigkeit: 5 Kriterien mit Praxis-Beispielen aus meinen Führungskräfte-Coachings https://www.weiler-seminare.de/blog/item/6-fuehrungskraefte-und-glaubwuerdigkeit-5-kriterien-mit-praxis-beispielen-aus-meinen-fuehrungskraefte-coachings 

Grundl, B. (2015) Klarheit erzeugt Vertrauen und umgekehrt, https://www.fuehren-und-wirken.de/klarheit-erzeugt-vertrauen-und-umgekehrt/

Horstmann, A. (2013) Interview Warum Vertrauen so wichtig ist, https://www.ksta.de/ratgeber/gesundheit/interview-warum-vertrauen-so-wichtig-ist-4029530

© Ihre Antje Heimsoeth

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