Mentale Stärke: Ziele verlangen nach Entschlossenheit

Mentale Stärke: Ziele verlangen nach Entschlossenheit - Antje Heimsoeth

Autor

Antje Heimsoeth

Datum

09. Dez 2016

„If you can dream it, you can do it“, sagte der oft zitierte Traumfabrikant Walt Disney. Ich möchte das gern ergänzen: „Voraussetzung ist, dass du dir und deinen Möglichkeiten vertraust und entschlossen handelst.“ Ob im Alltag oder bei beruflichen Herausforderungen, der Glaube an uns selbst und unsere Fähigkeiten hat großen Anteil daran, ob uns etwas gelingt oder wir einen neuen Kunden gewinnen. Entscheidend ist neben unserer fachlichen Qualifikation und Disziplin, unserem Fleiß und unseren Fertigkeiten vor allem die mentale und emotionale Stärke. Wer zögert und zaudert, kommt seinen Zielen nicht näher. Im Gegenteil.
Jeder, der schon mal auf dem Golfplatz stand und beim Putten zögerlich war, weiß: Der Ball läuft am Loch vorbei, wenn er nicht entschlossen Richtung Loch geputtet wurde. Mentale Stärke ist ein wesentliches Element, nicht nur im Golfsport. 

Mentaltraining

Mentaltraining hilft, den inneren Schweinehund zu überwinden, Selbstwert, Selbstbewusstsein, Selbstachtung und Selbstvertrauen auf- und ausbauen. Unser Kopf kann uns als Steuerzentrale auf dem Weg zum Ziel enorm weiterhelfen – wenn wir ihn entsprechend programmieren. Doch dafür bedarf es eines Bewusstseins über die Macht unserer Gedanken und inneren Bilder, vorhandener Glaubenssätze und Überzeugungen, vergangener Erfahrungen und Erlebnisse.

Die unbewusste Selbstsabotage

Jeder von uns betreibt mehrmals täglich Mundhygiene, doch nur wenige widmen der Gedankenhygiene dieselbe regelmäßige Aufmerksamkeit. Wir denken rund 60.000 einzelne Gedanken am Tag. 85 Prozent davon sind negativ und haben eine destruktive Wirkung: „Wie bescheuert muss man eigentlich sein, um …?“, „War ja klar, dass das wieder schief geht!“ oder „Das kann ich doch gar nicht richtig!“, um nur einige Beispiele für unsere innere Selbstsabotage zu nennen. Auch als Mentalcoach gelingt es mir nicht, 24 Stunden lang keinen einzigen negativen Gedanken zu haben. Aber das Mentaltraining hilft mir dabei, den negativen Gedanken etwas entgegenzusetzen und ihnen damit ihre zerstörerische Kraft zu nehmen. Es ist enorm hilfreich, mentale Techniken zu beherrschen, denn unser Gehirn wirkt für Negatives wie ein Klettverschluss, für Positives hingegen wie Teflon. Will ich das Positive bewahren und mehren, brauche ich ein gutes Haftmittel. Und da kommt Mentaltraining ins Spiel.

Mentale Stärke heißt: Loslassen statt lamentieren und jammern!

Ich kämpfe nicht gegen den negativen Gedanken an, sondern reagiere aktiv auf ihn statt ihn passiv sein Werk verrichten zu lassen. Dafür nutze ich meine geistige Vorstellungskraft:

  • Ich stelle mir einen Zug mit vielen Waggons vor, der an einem Bahnhof hält. Die unerwünschten negativen Gedanken setze ich in die verschiedenen Abteile der Waggons. Dann betrachte ich die Abfahrt des Zuges. Wenn die Rücklichter im nächsten Tunnel verschwinden oder in der Ferne verblassen, dann sind auch die negativen Gedanken davon gefahren.
  • Oder ich betrachte den Himmel und impfe einzelne Wolken mit meinen negativen Gedanken. Sie ziehen davon und nehmen mein Gedankengut mit.
  • Oder wenn ich in der Nähe eines Gewässers bin, belade ich vorbeischwimmende Blätter mit diesen Gedanken und die Strömung des Wassers nimmt sie mit.

Es geht beim Umgang mit negativen Gedanken darum, ihre Existenz zu akzeptieren, aber ihnen keine Macht einzuräumen. Wenn wir sie vorbeiziehen lassen und davonschicken, können wir uns wieder mit voller Aufmerksamkeit auf die Gegenwart konzentrieren oder auf unser anvisiertes Ziel.

Gedanken

Mentaltraining verschafft uns dazu die nötigen Mittel. In meinem Buch „Sportmentaltraining“ sagt Ex-Nationaltorhüter Oliver Kahn: „Gedanken kommen wie Wolken. Mal sind sie dunkler, aber sie beeinflussen mich nicht. Die Inhalte dieser Gedanken können ja teilweise schlimme Ausmaße annehmen. Es ging bei mir so weit, dass ich mich nicht gut gefühlt habe, wenn bestimmte negative Gedanken vor einem Wettkampf nicht präsent waren. Aber ich habe angefangen zu lernen, diese dunklen Wolken anzuschauen und zu sagen: Lasst mich zufrieden, ihr habt überhaupt keine Berechtigung. In fünf Minuten denke ich wieder an etwas ganz anderes, die Wolken lasse ich vorbeiziehen.“ (S. 74, Sportmentaltraining, pietsch Verlag, Stuttgart, 2015)

Mentale Stärke durch die Macht der Vorstellungskraft

Für die Erreichung eines Ziels ist die sogenannte Visualisierung eine zentrale mentale Strategie. Wenn wir von einem Ziel träumen und dieses gern erreichen wollen, sollten uns auch unsere Gedanken und inneren Bilder dabei unterstützen. Negative Gedanken und Bilder von katastrophalen Verläufen hemmen uns und bremsen uns aus. Voraussetzung für den Erfolg ist allerdings ein realistisches Ziel. Als Amateurgolferin würde es mir nicht helfen, davon zu träumen für Deutschland im Team des Ryders Cup zu stehen und entsprechende innere Bilder zu schaffen. Dafür hätte ich viel, viel früher mit dem Golfsport anfangen müssen, meine Zeiten als Profigolferin sind längst vorbei. Wer ein klares, positives, realistisches, messbares und aktives Ziel vor Augen hat, kann seine geistige Vorstellungskraft dafür nutzen, dieses auch zu erreichen.

Die Visualisierung kann sich dann auf mehr als nur die einfache erfolgreiche Zielerreichung erstrecken. Mit meinen Klienten überlege ich mir auch mögliche Hindernisse auf dem Weg zum Ziel. Dann entwickeln wir einen Plan B für die Zielerreichung und spielen auch diesen im Kopf durch, sodass dadurch Sicherheit entsteht. Schon Sportprofessor Hans Eberspächer hat bei der Definition von Mentaltraining festgestellt: „Ziele des mentalen Trainings sind ein optimaler Eigenzustand, effektives Handeln und ein klarer Weg im Umgang mit Anforderungen jenseits der Routine.“ (vgl. S.65, Ressource Ich: Der ökonomische Umgang mit Stress, Hanser Verlag, München, 2004). 

Mentale Stärke heißt Durchhaltevermögen und Zuversicht

Wer über die Klarheit verfügt, was er will, und auf sein Ziel fokussiert ist, hat sehr gute Chancen, dieses auch zu erreichen. Doch wie gewinne ich diese Klarheit? Und wie erschaffe ich die passenden inneren Bilder zum Ziel? Wie ersinne ich Handlungsalternativen, falls meine favorisierte Strategie zur Zielerreichung nicht umsetzbar ist oder fehlschlägt? Es hilft auf der Suche nach geeigneten Strategien, das Thema des Ziels aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Manchmal braucht das Erarbeiten von Lösungen mehr Zeit. Die wenigsten Lösungen kommen über Nacht. Wie vieles im Leben ist auch die Zielarbeit ein Prozess, insbesondere dann, wenn es um die Entwicklung unserer Persönlichkeit, um Ausstrahlung und Charisma geht. Lösungen und Ideen lassen sich nicht erzwingen. Wer sich an seine Schulzeit erinnert, weiß, dass man sich an Aufgaben festbeißen konnte und doch kein stimmiges Ergebnis erzielte. Frustriert ging man ins Bett und stellte am nächsten Morgen plötzlich unter der Dusche fest: Aah, so ist der Lösungsweg. Ebenso hilft es, die Arbeit einen Moment ruhen zu lassen und sich stattdessen in der Natur zu bewegen. Dabei wird der Kopf frei, wir entspannen uns und plötzlich kommen die Ideen ohne große Anstrengung.

Manchmal erreichen wir unser Ziel nur auf Umwegen. Und Umwege können auch Fehlschläge bedeuten. Aber mit jeder missglückten Strategie gewinnen wir neue Erkenntnisse, die uns auf dem Weg zum Ziel weiterhelfen.

Umgang mit Scheitern

Robert Kiyosaki sagt dazu: „Verlierer hören auf, wenn sie scheitern. Gewinner scheitern, bis sie Erfolg haben.“ Der Gründer von Paypal, Max Levchin, ist mehrfach gescheitert, bis er am Ziel war: „Das erste Unternehmen, das ich gegründet habe, ist mit einem großen Knall gescheitert. Das zweite Unternehmen ist ein bisschen weniger schlimm gescheitert, das dritte Unternehmen ist auch anständig gescheitert, aber das war irgendwie okay. Ich habe mich rasch erholt, und das vierte Unternehmen überlebte bereits. Nummer fünf war dann Paypal.“ In diesem Sinne möchte ich Ihnen Mut machen, auch das Scheitern zu wagen, denn Umwege erweitern die Ortskenntnis – und die hat noch niemandem geschadet. Viel Erfolg bei der Umsetzung Ihrer Ziele wünscht

© Antje Heimsoeth

Weitere Tipps aus dem Mentaltraining und der positiven Psychologie lesen Sie im Bestseller „Chefsache Kopf. Mit mentaler und emotionaler Stärke zu mehr Führungskompetenz“ von Antje Heimsoeth. Mehr dazu finden Sie hier:  https://chefsache-kopf.de/
Oder in „Sportmentaltraining“. Mit einem Vorwort von Oliver Kahn. Von Antje Heimsoeth. Mehr dazu finden Sie hier:  https://sportmentaltraining-antje-heimsoeth.de/

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