Dankbarkeit ist mehr als eine Geste – Mitarbeitermotivation & Leadership

Dankbarkeit ist mehr als eine Geste - Mitarbeitermotivation & Leadership - Antje Heimsoeth

Autor

Antje Heimsoeth

Datum

30. Sep 2020

Es waren nur wenige Sätze, die Fußballtrainer Jürgen Klopp Ende März auf Twitter in einer Videobotschaft gemeinsam mit Spielern und Vereinsmitarbeitern des FC Liverpool postete, aber sie gingen direkt ins Herz der Community. Klopp und seine Mitstreiter dankten den Mitarbeitern des Gesundheitssystems angesichts dessen, was diese in der ersten Hochphase der Corona-Pandemie geleistet haben. Klopp & Co. hätten das nicht tun müssen. Aber sie wollten es, als Geste des Respekts und der Anerkennung für Höchstleistungen in den Krankenhäusern, um Coronainfizierte zu versorgen. Wie viel es zur Motivation der Ärzte, Schwestern und Pfleger beigetragen hat, ist nicht überliefert, aber eines ist gewiss: Worte und Taten der Dankbarkeit als Ausdrucksform einer empfundenen Wertschätzung haben große Auswirkungen auf Menschen und Organisationen.

Es gibt viele Wege der Dankbarkeit

In den vergangenen Monaten verlagerte sich ein Großteil unserer Arbeit ins Homeoffice, bis Jahresende wird es bei vielen voraussichtlich auch so bleiben. Das verändert die Art und Weise der Mitarbeiterführung und Motivation. Die tägliche Begegnung im Büro entfällt und damit auch die Chance, wahrzunehmen, wie es dem anderen geht, wo ein Mitarbeiter steht, wie viel er tatsächlich leistet. Nicht wenige mussten als arbeitende Familienväter und -mütter zudem den Spagat zwischen Homeoffice und Homeschooling hinbekommen, andere bangten hingegen um ihren Job während sie in Kurzarbeit verharren mussten oder die Kundschaft ausblieb. Anerkennung und Wertschätzung kam in dieser Phase sicher bei vielen zu kurz.

Dabei sollten Führungskräfte damit verschwenderisch umgehen, ob vor Ort oder aus der Ferne. Das heißt nicht, dass Sie inflationär jedem ständig „Danke“ sagen sollen. Dann verliert das „Danke“ wieder an Wert. Doch Wertschätzung und Dankbarkeit gehen Hand in Hand. Zeigen Sie sich als Führungskraft dankbar für den gemeinsamen Erfolg, die guten Beziehungen und die Verbundenheit im Team. Würdigen Sie, dass Ihr Team in dieser herausfordernden Zeit weiter bereit ist, alles zu geben. Betrachten Sie nicht alles als selbstverständlich und damit als nicht erwähnenswert. Denn es tut jedem gut, für das, was man für andere tut, ein „Dankeschön“ zu bekommen. Bedanken Sie sich also auch aus der Ferne öfter für erledigte Dinge und Engagement – per E-Mail, Videogruß oder Anruf, per Karte, Blumensendung oder Überraschungspaket oder per Gutschein. Es gibt unzählige Wege, Dankbarkeit zu zeigen. Das Ergebnis ist hingegen das gleiche: Sie wecken Motivation und positive Gefühle beim Empfänger. Und noch eines ist gewiss: Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, erfordert weder große Budgets noch viel Zeitaufwand.

Dankbarkeits-Tipp Nr. 1: Ein Dankesgruß zum Wochenstart

Wie wäre es, wenn Sie sich am Montagmorgen in der allerersten Mail an Ihren Mitarbeiter oder Ihre Mitarbeiterin nicht dem nächsten to do widmen, sondern ihm oder ihr einfach nur danken? Dafür, dass er oder sie mit Ihnen gemeinsam auf gesteckte Ziele hinarbeitet, verlässlich ist, gute Ideen hat, andere mit seiner oder ihrer Begeisterung fürs Projekt ansteckt,… Ihnen fällt bestimmt zu jedem Mitarbeitenden etwas Individuelles ein, wenn Sie darüber nachdenken. Es müssen nicht viele Worte sein, aber sie sollten glaubwürdig sein. Diese Mail enthält übrigens nur Dankesworte, keine neuen Aufträge oder Erinnerungen an zu Erledigendes. Das entkräftet sonst die Wirkung Ihres Danks, er wirkt dann vorgeschoben für Ihr eigentliches Anliegen.

Dankbarkeits-Tipp Nr. 2: Sag´s mit einer Karte

Dankbarkeit ist mehr als eine Geste - Mitarbeitermotivation & LeadershipNehmen Sie zum Beispiel eine Karte wie diese und schreiben Sie von Hand Dankesworte für Leistungen, die Mitarbeitende erbracht haben. Der CEO von LG in Japan fing damit vor einigen Jahren in seiner Organisation an und schrieb an fünf Menschen im Unternehmen eine solche Karte. Er widmete damit seine Aufmerksamkeit Dingen, die er normalerweise kaum zur Kenntnis nahm und zeigte auf diese Weise Menschen Dankbarkeit, die er zuvor nicht beachtet hatte. Die Empfänger seiner Karten freuten sich sehr und blühten in ihrem Engagement auf. Diesen Effekt nutzte der CEO fortan regelmäßig, um Mitarbeitende zu motivieren. Es heißt, er habe mit dieser Geste die gesamte Organisation verändert.

Der Direktor einer mexikanischen Universität ließ Karten drucken, die auf der Vorderseite einen der Unternehmenswerte beschrieben und auf der Rückseite blanko waren. Konnte er im Arbeitsalltag feststellen, wie ein Mitarbeitender einen Unternehmenswert mit Leben füllte, nahm er die entsprechende Karte zur Hand und schrieb auf die Rückseite eine persönliche Notiz für diesen Mitarbeitenden, mit der er dessen Verhalten würdigte. Das ist auch eine Form der Dankbarkeit, die dem Empfänger vermittelt: Ich sehe dich und dein Engagement – und ich bin dankbar dafür. Gleichzeitig steigert es seine oder ihre Motivation, mehr Unternehmenswerte im Täglichen zu leben.

Mit sogenannten Kudo-Karten, deren Name auf dem griechischen Begriff „kudos“ für Ruhm, Ruf oder Ehre gründet, sagen inzwischen immer öfter Menschen anderen „Danke“ oder geben ihnen ein positives Feedback zu Geleistetem oder gemeinsam Erlebtem. Man ehrt damit den anderen. Das kann übrigens auch in größerer Runde geschehen, zum Beispiel mit Hilfe einer Kudo-Box. Dort können alle Teammitglieder ihre verfassten Karten hineinwerfen, und am Ende der Woche oder einmal im Monat greifen alle in die Box und lesen die herausgezogenen Karten vor. Die kollektive „warme Dusche“ dient nicht nur der Motivation des jeweils Gewürdigten, sondern verbindet das Team auch emotional, zeigt Stärken des Einzelnen auf, erinnert an Erfolgserlebnisse und gemeinsame Herausforderungen. Hier lässt sich bei Bedarf neue Energie „tanken“ durch die dokumentierte Wertschätzung. Und manchem Teammitglied fällt es mitunter leichter, seinen Dank auf eine Karte zu schreiben und sie in die Box zu werfen statt ihn direkt zu äußern.

Dankbarkeits-Tipp Nr. 3: Am Jahresende Briefe versenden

Keine Frage, wenn 2020 zu Ende geht, liegt hinter uns allen ein herausforderndes, ja historisches Jahr. Doch es braucht keine Pandemie, um am Jahresende allen Mitarbeitenden und ihren Familien einen Dankesbrief zu senden. Machen Sie es zum Ritual, einen Brief an die Familie Ihrer Mitarbeitenden zu schreiben, in welchem Sie die Leistung des Mitarbeitenden würdigen. Teilen Sie mit, wie sehr Sie den Einsatz schätzen und danken Sie der Familie für ihr Verständnis und ihre Geduld, wenn die Arbeitstage mal wieder länger waren als gedacht.

Dankbarkeits-Tipp Nr. 4: Ein persönliches Präsent

Ein Geschäftsführer aus der Food-Branche, mit dem ich befreundet bin, hat im Mai 2020 seinen Mitarbeitenden nicht nur eine handgeschriebene Dankespostkarte mit persönlich formulierten Worten, die ganz ohne Standardfloskeln auskamen, nach Hause gesandt, sondern auch ein individuelles Präsent. Jede(r) bekam etwas, das er oder sie gebrauchen konnte, nicht alle dasselbe. Diese Aktion löste neben großer Überraschung auch nachhaltige Freude bei den Mitarbeitenden aus und zeigte jedem/jeder Einzelnen, wie dankbar der Chef für Geleistetes und Erduldetes in dieser Zeit war.

Dankbarkeits-Tipp Nr. 5: Virtuelle Danksagungen

Auch wenn Sie Ihre Mitarbeitenden zurzeit vielleicht nur per Videokonferenz treffen, so können Sie auch auf virtuellem Weg Einzelgespräche mit ihnen vereinbaren, bei denen Sie sich persönlich für Geleistetes bedanken – besser virtuell als gar nicht. Ihr Dankeschön als Führungskraft sollten Sie dabei konkret formulieren, nicht allgemein. Begründen Sie Ihrem Gegenüber, wofür Sie sich genau bedanken und was Sie am anderen schätzen. Auch in der großen virtuellen Runde ist ein „Danke“ möglich. Senden Sie an alle Mitarbeitenden ein Dankeschön als Videobotschaft, vielleicht zur Hochphase oder am Ende eines Projekts. Das nährt die Motivation.  Wecken Sie außerdem ein Bewusstsein beim Team, für das, was jede(r) leistet, indem Sie zu Beginn eines wöchentlichen Videomeetings nach den Erfolgserlebnissen jedes Teammitglieds fragen und selbst ebenfalls ein Erlebnis nennen. Fragen Sie: Was ist Ihnen (oder euch) gut gelungen? Ebenso können Sie am Ende einer Arbeitswoche das Team fragen: Was hat Sie diese Woche inspiriert? Sie richten damit den Fokus auf die positiven Ereignisse, Begegnungen und Eindrücke und schüren damit gute Gefühle bei Ihren Mitarbeitenden. Das lässt auch die Dinge, die in der Woche nicht gut liefen, weniger wiegen und rückt Perspektiven wieder zurecht.

Dankbarkeits-Tipp Nr. 6: Das Führen eines Dankbarkeits-Tagebuchs

Für Ihre eigene Wahrnehmung und Selbstführung ist es hilfreich, sich regelmäßig vor Augen zu führen, wie viel es gibt, wofür Sie dankbar sein können. Dokumentieren Sie täglich am Ende eines Tages in einem Büchlein oder Heft, wofür Sie dankbar sind an diesem Tag – sei es der erste Kaffee in der Morgensonne, die gelungene Präsentation oder ein Treffen mit Freunden, alles zählt, was Sie für würdig halten. Und fragen Sie sich auch: Wofür können Sie sich selbst heute danken? Was haben Sie heute für sich selbst Gutes getan? Stärken Sie auf diese Weise Ihre Motivation und Ihren Selbstwert ebenso wie Ihre Gesundheit und Zufriedenheit.
Mit dem Führen eines Dankbarkeits-Tagebuchs verbessert sich Ihre Stimmung, sie steigern Ihren Optimismus, verfügen über mehr Enthusiasmus und Energie. Und das hilft Ihnen, Ihre Karriereziele zu erreichen, weil Sie belastbarer und produktiver sind. Ganz abgesehen davon, dass Sie in herausfordernden Zeiten wie diesen gelassener bleiben. Regen Sie auch Ihr Team dazu an, ein Dankbarkeits-Tagebuch zu führen. Vielleicht können Sie dafür auch jedem Mitarbeitenden ein schönes blanko Büchlein schenken.

Dankbarkeit und Wertschätzung sind eng miteinander verbunden

Jürgen Klopp ist ein Meister der Wertschätzung. Er bringt seinem Team Vertrauen entgegen und gibt jedem Einzelnen das Gefühl, ihn als Mensch und Spieler wahrzunehmen und zu unterstützen. Auf diese Weise weckt er bei jedem das vorhandene Potenzial und motiviert ihn zu Höchstleistungen. Seine Dankbarkeit erlebt das Team als authentisch. Und tatsächlich zählt Dankbarkeit zu den wichtigsten Werten von Jürgen Klopp. Sein Erfolgsgeheimnis sei, so sagte er der Presse nach dem 4:0-Sieg seiner Mannschaft FC Liverpool gegen den FC Barcelona, der ihm 2019 den Einzug ins Champions League-Finale verschaffte und als Fußballwunder gefeiert wurde, dass er seinen Job richtig gerne mache und ihn jeden Tag aufs Neue als „ausgesprochenes Glück“ empfinde. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie dasselbe von sich sagen können. Entdecken Sie die Kraft der Dankbarkeit!

© Ihre Antje Heimsoeth

Verwendete Quellen:

  • Kim Cameron, Professor of Management and Organizations an der University of Michigan, Workshop auf Seligman’s Europe Tour 2016
  • Evangelischer Pressedienst

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