Führung und Gesundheit

Fuehrung und mentale Gesundheit-Antje Heimsoeth

Autor

Antje Heimsoeth

Datum

19. Jun 2015

Von der Hirnforschung wissen wir, dass zufriedene Mitarbeiter, die sich wohl fühlen, belastbarer, kreativer, lern- und leistungsfähiger sind. Die psychische Gesundheit spielt hier eine entscheidende Rolle. Für ihren Erhalt ist es förderlich, wenn die psychischen Grundbedürfnisse eines Mitarbeiters befriedigt werden, wie z. B. das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, nach Sicherheit und nach Anerkennung.

Wird Ihr Führungsstil diesen Bedürfnissen nicht gerecht, führt das dazu, dass Mitarbeiter sich nicht wohl fühlen. Sinkt das subjektive Wohlbefinden, sinkt auch die Motivation und damit letztlich die Leistung. Zudem kann die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter bei anhaltender Nicht-Befriedigung dieser Bedürfnisse Schaden nehmen. Das hat fürs Unternehmen verheerende Folgen, da lange Ausfallzeiten drohen.

In meinen Augen sollten Führungskräfte heutzutage über ein Basiswissen zu psychischen Erkrankungen und mentaler Gesundheit verfügen. Das verleiht Ihnen die Kompetenz, Anzeichen für eine dauerhafte Erschöpfung, anhaltende Stressreaktionen oder einen psychischen Ausnahmezustand frühzeitig zu erkennen und entsprechend reagieren zu können. Bieten Sie Hilfe bei Problemen an, sichern Sie Ihren Mitarbeitern in für sie schwierigen Situationen Unterstützung zu. Von innen schaut das Hamsterrad – und das gilt nicht nur für Ihre Mitarbeiter, sondern auch für Sie – oftmals wie eine Karriereleiter aus. Wer Abstand hat, erkennt das schneller.

Zu einem gesunden Führungsstil gehören deshalb der Belastungsabbau und ein gezielter Ressourcenaufbau. Lassen Sie sich Rückmeldung von Ihren Mitarbeitern geben: für die zu bewältigende Aufgabenmenge, wie sie die Prioritäten bei der Erledigung setzen und wie es um ihre Zeitressourcen steht. Wie schon in der Einführung erklärt, erleiden Menschen, die sich gut geführt fühlen, seltener einen Burn-Out. Und wie die Gallup-Studie ebenfalls gezeigt hat, nutzen Mitarbeiter Präventionsangebote für ihre Gesundheit vor allem dann, wenn sie sehen, dass ihr Vorgesetzter ebenfalls davon Gebrauch macht.

Auch im Umgang mit belastenden Situationen haben Sie eine Vorbildfunktion. Zurückweisung und soziale Ausgrenzung führen nicht nur zu psychischer Belastung, sondern regelrecht zu körperlichem Schmerz (vgl. Kapitel 2). Die Folge: Der Mitarbeiter reagiert aggressiv. Er ist wütend, traurig, empört, fühlt sich abgewertet und ungerecht behandelt. Geschieht dies dauerhaft, kann das ebenso zu psychischen wie körperlichen Erkrankungen führen. Es liegt in der Natur des Menschen, dass er zur Gruppe dazugehören will, respektive zum Team, zur Abteilung, zum Unternehmen. Es wird Ihnen nicht immer gelingen, dieses Bedürfnis zu befriedigen. Stehen z. B. Umstrukturierungen an, werden Teams aufgelöst oder neu zusammengesetzt und dadurch Arbeitsbeziehungen beendet. Manch einer fühlt sich plötzlich nicht mehr zugehörig.

Umso wichtiger ist es dann, dass Sie als Führungskraft alle Beteiligten in den Veränderungsprozess einbeziehen. Das bedeutet, Absprachen vor Veränderungen zu treffen und die Zustimmung der Betroffenen vor Entscheidungen abzuholen. Die Integration von Mitarbeitern in die Abteilung ist ein wesentlicher Erfolgsgarant für ein gutes Betriebsklima. Achten Sie darauf, dass auch Neuzugänge, und seien sie nur temporäre Zeitarbeiter, schnell dazugehören und ihre Rolle im Team finden. Menschen leben von den Beziehungen zueinander. Eine gute soziale Integration verringert wahrgenommene Belastungen und Stressoren.

Je gesundheitsbewusster und wertschätzender Ihr Führungsstil ist, desto mehr stärken Sie die psychische Verfassung Ihrer Mitarbeiter. Die Güte Ihrer Führung und die Arbeitszufriedenheit des Einzelnen hängen unweigerlich zusammen. Wenn Führungskräfte und Mitarbeiter, aber auch Mitarbeiter untereinander, sich vertrauensvoll begegnen und die Leistungen der anderen anerkennen, trägt das wesentlich zu einer funktionierenden, ja positiven Unternehmenskultur bei – und das macht uns im Job glücklich und sorgt für eine emotionale Bindung ans Unternehmen, um auf die Gallup-Studie zurückzukommen. Dazu gehört auch eine optimale Gestaltung der Arbeitsinhalte. Das bedeutet, Transparenz, eine eindeutige Definition von Funktionen und befriedigende, interessante Aufgaben (Elger, 2013).

Spaß an der Aufgabe und der Arbeit im Team, gelebte Gemeinschaft und die Bestärkung des Selbstvertrauens fördern die psychische Gesundheit Ihrer Mitarbeiter. Auf diese Weise geführt und unterstützt, entwickeln Mitarbeiter eine hohe Resilienz, mentale und emotionale Stärke für die Herausforderungen im Job – das befähigt sie zu Höchstleistungen.

Verwendete Literatur:
Elger, C. (2013) Neuroleadership – Erkenntnisse der Hirnforschung für die Führung von Mitarbeitern. Haufe, 2. Auflg., Freiburg, S. 97ff.
Gallup GmbH (2014) Engagement Index Deutschland, Berlin. http://www.gallup.com/strategicconsulting/168167/gallup-engagement-index-2013.aspx Zugegriffen: 25. September 2014

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