Was wir von Spitzensportlern lernen können – Interview mit Kathi Wolff

Was wir von Spitzensportlern lernen können - Interview mit Kathi Wolff

Autor

Antje Heimsoeth

Datum

16. Mai 2017

Kategorien

Ich versuche derzeit Arbeit (Grundschullehrerin – Referendariat) und Leistungssport in Einklang zu bringen. Ende 2014 habe ich mein Studium (Lehramt an Grund- und Hauptschule – Schwerpunkt Grundschule) erfolgreich absolviert und mir danach eine Auszeit für mich und den Sport (Triathlon) genommen. Mit dem Beginn des Jahres 2017 habe ich mein Referendariat (Abschluss: 2. Staatsexamen) begonnen und mich trotzdem dazu entschlossen den Sport weiterhin (so gut es geht) professionell auszuüben.

Was reizt Sie an der Tätigkeit als Referendarin?  

Was wir von Spitzensportlern lernen können - Interview mit Kathi WolffDas Referendariat gehört zum letzten Ausbildungsabschnitt meines Studiums und bietet mir die Chance in Bezug auf meinen anschließenden Beruf als Lehrerin wertvolle, konkrete Erfahrungen in der Praxis zu sammeln und diese anschließend begleitend zu reflektieren.
Am Beruf des Lehrers reizt mich der Umgang mit unterschiedlichsten Individuen (in meinem Fall heranwachsenden) und die sich daraus ergebenden Herausforderungen – speziell auch im heutigen Wandel unserer Gesellschaft.

Was reizt Sie am Triathlon?

Mehrere Dinge reizen mich an meinem Sport. Zum einen die drei verschiedenen Sportarten an sich, die alle ihre eigenen Besonderheiten aufweisen.
Zum anderen bietet mir keine andere Sportart die Möglichkeit meine Umwelt und die Natur so vielfältig und bunt zu erleben und gleichzeitig meine physischen und psychischen Grenzen auszuloten.

Welchen geschätzten prozentualen Anteil hat(te) mentale und emotionale Stärke an Deinen sportlichen / beruflichen Erfolgen?

Sowohl beruflich als auch sportlich trägt der mentale Bereich meiner Meinung nach einen sehr großen Anteil am Erfolg teil (ca. 60 – 70%).  Vor allem das Besinnen auf seine eigenen persönlichen Stärken und das Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten ist für mich ein Schlüssel zum Erfolg.

Wie bekommst / bekamst du (Kopf-)Probleme in den Griff?

Der Aufbau einer solchen mentalen Stärke ist (genauso wie in der Schule das Lernen) ein kontinuierlicher Prozess. Noch (würde ich sagen) fehlt es mir in diesem Bereich, aber der bewusste Umgang dieses Themas (Zielsetzung, Umgang mit konkreten Stresssituationen, Ermittlung der Stärken) haben mir schon geholfen mich weiterzuentwickeln.
Ich stehe ja noch am Anfang mit meiner „Arbeit“ J mit Antje Heimsoeth.

Was waren Höchstleistungs- und Stresssituationen für Dich?

Stresssituationen sind für mich hauptsächlich, der von mir induzierte eigene Leistungsdruck.
Sportlich gesehen vor Wettkämpfen: Ich will/MUSS das abrufen was ich kann – klappt dies nicht, gebe ich mich schnell (auch schon im Wettkampf) auf und bin enttäuscht von mir.
Sowohl beruflich als auch sportlich will ich 100% geben, was mich oft an meine Grenzen führt.
Höchstleistungen sind vermutlich nicht nur Top-Ergebnisse in einem Wettkampf, sondern individuell das beste bzw. optimalste aus den jeweiligen Gegebenheiten (z.B. derzeit weniger Zeit für Training und mehr Stress) herauszuholen.

Wie bereitest du dich auf Höchstleistungen vor?Was wir von Spitzensportlern lernen können - Interview mit Kathi Wolff

Ich spiele die Situationen (sowohl Prüfungssituationen im Beruf als auch im Sport) gedanklich durch und versuche mir verschiedene „Reaktionsmöglichkeiten“ bei Nicht-Gelingen meiner Ziele zu überlegen.

Wie motivierst du dich zu Höchstleistungen? Was treibt dich an?

Mich motiviert vor allem meine persönliche Entwicklung – auch beruflich. Wo stand ich letztes Jahr, was nehme ich mir dieses Jahr vor. Kann ich über mich hinauswachsen?
Natürlich auch die Unterstützung durch meine Familie, Freunde, Partner – die alle maßgeblich daran beteiligt sind – was aber auch gleichzeitig in mir eine gewisse Erwartungshaltung von Außen hervorruft.

Welche Rituale hast du im Sport?

Vor Wettkämpfen habe ich  bis zum Startschuss einen festen Ablaufplan: Frühstück  (Tee aus meiner Glückstasse und eine Motivationskarte von meiner Mutter), Hinfahrt, Einchecken, Material-Check, Aufwärmprogramm, Start.

In welchen Bereichen, auch über den Sport hinaus, und in welcher Weise wirkt sich Mentaltraining bei dir aus?

Gelassener in jeder Lebenssituation zu sein. Das Glaube daran, dass ich alles schaffen kann, was ich mir vornehme.

Woher schöpfst du Kraft?

Kraft schöpfe ich von meiner Familie, Freunde – alle, die mich auf meinem Weg begleiten und stärken. Aber auch durch bewusste „Auszeiten“ (im Moment bleibt wenig Zeit für mich), die ich z.B. alleine auf dem Fahrrad oder beim Laufen ohne jeglichen Zeitdruck genießen kann und mich darauf besinnen kann, wie gut es mir/uns eigentlich geht.

Wie gehst du mit Niederlagen / Scheitern um?

Zunächst entstehen bei  Niederlagen/Scheitern (das Nichterreichen eines persönlichen Ziels) sehr negative Gefühle. Diese Gefühle überschatten bei mir am Anfang auch die positiven Dinge und lassen mich schnell an vielem zweifeln. Nach dieser Phase wird die Situation sachlich (auch auf Grundlage von Zahlen, Fakten, Daten) analysiert und die Gründe des Scheiterns aufgetan. Dabei werden auch die Dinge aufgedeckt, die schon gut liefen – diese werden benannt und damit verstärkt. Letztlich lerne ich mich (im Sport: auch meinen Körper) durch Niederlagen noch besser kennen: was haben wir falsch gemacht, was machen wir nächstes Mal besser, was lief schon sehr gut? Niederlagen werden also in etwas Positives umgewandelt – zumindest wird es versucht.
Im Sport hilft mir auch der Umgang meines Trainers mit Niederlagen, der mir den Druck nimmt, in dem er sagt: Ich bin für alles verantwortlich was heute passiert – du hast dir nichts vorzuwerfen!

Woraus besteht Siegermentalität?

Siegermentalität besteht für mich aus einem unglaublichem Willen, Zielstrebigkeit, Besinnung auf seine Kräfte (Selbstvertrauen) und damit verbunden der Umgang mit Niederlagen und Spaß und Leidenschaft (eine gewisse Lockerheit) an dem was ich tue.

Hast du ein Motto?

Wo ein Wille ist – ist auch ein Weg!

Was ist Dein Leitsatz für Menschen, die Erfolg anstreben?

Bleibe immer du selbst und verstelle dich nicht!

Hast du Ziele, machst du dir einen schriftlichen Plan?

Schriftlich zum einen mit dir, Antje (Ziel-Collage, Stärkensammlung). Zum anderen mit meinem Trainer: Borgskalen bzgl. sportlicher Leistungen, Umfeld, mentale Stärke, Sponsoren, Unterstützung (wo befinde ich mich – wo möchte ich hin) und Zielzeitvereinbarungen für bestimmte Wettkämpfe (diese Zeiten werden immer wieder überprüft, ob sie weiterhin realistisch sind).

Sind Krisen eine Chance?

Krisen sind wie Niederlagen definitiv eine Chance gestärkter herauszugehen. Man lernt viel über sich und entwickelt sich weiter.

Als Mentalcoach für Spitzensportler und Führungskräfte bin ich der Ansicht, dass Führungskräfte und deren Teams viel vom Spitzensport lernen können. Wo siehst du Parallelen? Was können deine Kollegen / Lehrer / Berufstätige von Sportlern lernen?

Hier gibt es sicherlich viele Parallelen. Zum einen solche Dinge wie Ausdauer (Belastbarkeit), der unabdingbare Wille seine Ziele zu erreichen, der Umgang mit Niederlagen, das Wissen um seine Qualitäten. Oft gibt es im Beruf auch wettkampfähnliche Situationen, die eine gewisse Erwartungshaltung bzw. Leistungsdruck hervorrufen. So fühle ich mich beispielsweise in Prüfungssituationen sicherer (als manch andere Kommilitonen), da ich schon mit dem Druck (wettkampfähnlich) vertraut bin und weiß wie ich teilweise damit umgehen kann.  Auch ein gutes Zeitmanagement gehört dazu. Zudem zählen auch sicherlich Techniken und das Spannungsfeld Stress und Entspannung – um nicht nur physisch sondern auch psychisch/emotional Abstand vom Leistungsdruck zu bekommen.

Vielen Dank für das Interview!

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