Das kleine Pflänzchen Hoffnung in herausfordernden Zeiten

Das kleine Pflänzchen Hoffnung in herausfordernden Zeiten - Antje Heimsoeth

Autor

Antje Heimsoeth

Datum

29. Apr 2020

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Die Coronabeschränkungen haben unser Leben stark verändert. Unter dem Kontaktverbot leiden viele Menschen. Freunde nicht mehr umarmen oder in größerer Runde treffen zu können, auch bei den eigenen Eltern auf Distanz bleiben und zu jedem Mitmenschen einen Mindestabstand einhalten zu müssen, widerspricht unserer menschlichen Natur. Nicht zu wissen, wie lange diese Regeln noch gelten, belastet zusätzlich. Die herrschende Unsicherheit, nicht nur hinsichtlich der gesellschaftlichen, sondern auch der wirtschaftlichen Folgen, macht Angst. Auch mir. Zudem bin ich ein sehr freiheitsliebender Mensch. Ich liebe es, in die Berge zu gehen und etwas zu unternehmen. Mit den Auflagen meines Bundeslands Bayern fühle ich mich derzeit deshalb regelrecht eingesperrt. Der Mensch braucht Hoffnung. Und die lässt sich nicht gut schöpfen aus der Perspektivlosigkeit. Erst hieß es, wenn ein Ansteckungsverhältnis von 1:1 erreicht sei, könnten die Auflagen gelockert werden. Das Verhältnis ist erreicht, aber die Ausgangsbeschränkung und Kontaktsperren bestehen weiter. Bei vielen wird damit das Pflänzchen Hoffnung gekillt. Deshalb rege ich dazu an, dieses Pflänzchen in einer herausfordernden Zeit wie der Coronakrise gut zu wässern. Wie lässt sich gehegte Hoffnung nähren und schützen?

  • Achten Sie darauf, wie viel Nachrichten Sie konsumieren und beschränken Sie den Konsum auf einmal täglich.
  • Meiden Sie Menschen, die dazu neigen, die Dinge schwarzzumalen.
  • Schöpfen Sie Kraft und Zuversicht aus Aufenthalten in der Natur, die für Entspannung sorgen und Ihnen das Gefühl schenken, dass sich das Leben hier nicht verändert hat.
  • Schmieden Sie Pläne für die Zeit nach der Kontaktsperre statt frustriert zu sein, was Sie gerade alles nicht tun können.
  • Malen Sie sich mit allen Sinnen aus, wie Sie wieder Ihr Lieblingsrestaurant besuchen, in ein Konzert gehen, eine Party veranstalten oder ein Fußballspiel besuchen. Allein die geistige Vorstellung weckt bereits die damit verbundenen positiven Gefühle bei uns und schürt die Vorfreude auf das tatsächliche Erleben.
  • Entwickeln Sie neue Rituale, die Ihnen helfen, wie z.B. eine virtuelle Kaffeestunde mit einer Freundin oder einem Freund o.ä.

Floskeln wie „Das wird schon wieder“ helfen nicht 

Angst ist eine Grundemotion. Sie zu ignorieren oder kleinzureden, hilft nicht. Viele Menschen haben jetzt Angst. Angst kennt kein Aber. Was hilft, die Angst zu reduzieren? Spenden Sie Trost! Hören Sie dem anderen zu. Fragen Sie Menschen, die Angst haben, was Sie für sie tun können. Floskeln wie „Das wird schon wieder“ sind hingegen wenig hilfreich.

Angst zeigt sich von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Die einen reagieren kämpferisch, die anderen ziehen sich zurück und wieder andere sind wie gelähmt. Angst ist oft auch der Vorläufer von Wut und Aggression. Je länger die Beschränkungen dauern, desto unruhiger wird die Bevölkerung werden, auch wenn sie bislang die Auflagen weitgehend gut akzeptiert.

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Nur, wer seine eigene Angst kennt, kann auch die Angst der anderen verstehen

In einem meiner ersten Führungskräfteseminare mussten die Teilnehmer sich zu zweit gegenüberstellen und dem anderen sagen: Ich habe Angst. Manch einer hat sich lieber auf die Zunge gebissen als diesen Satz laut auszusprechen. Doch wenn ich als Führungskraft die Angst, die Mitarbeiter haben, verstehen möchte, z.B. Angst um die Familie, um die Gesundheit oder vor Veränderungen, dann muss ich auch meine Angst kennen. Gute Führung setzt gute Selbstführung voraus. Und gute Selbstführung verlangt nach einer guten Kenntnis der eigenen Bedürfnisse, Stärken und Schwächen, nach Selbst-Bewusstsein. Alles, was andere sich von uns wünschen, müssen wir zunächst uns selbst entgegenbringen, um es anderen ebenfalls geben zu können. Nur, wer sich selbst mag, kann andere mögen. Nur, wer sich selbst wertschätzt, kann auch andere wertschätzen. Nur, wenn ich meine Angst wirklich kennengelernt und akzeptiert habe, kann ich Verständnis für die Angst bei anderen aufbringen.

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Angst verhindert mitunter, die Meinungen anderer gelten zu lassen. Wer in Coronazeiten eine Lockerung der Auflagen fordert, begegnet schnell den Erwiderungen derer, die Angst vor Ansteckung haben. Diejenigen von uns, die Eltern mit Vorerkrankungen haben, kennen die Angst, dass diese sich bei einem selbst oder anderen anstecken könnten, nur zu gut. Und genauso kann die Angst der Führungskraft, der er sich nicht wirklich stellen mag, seine Reaktionen auf das Verhalten oder die Ansichten von Mitarbeitern steuern. Nur, wer den Horizont der Angst kennt, weiß um den Weg aus dem Sumpf der Sorgen und Nöte.

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Die Stunde der glaubwürdigen Führungspersönlichkeiten

In Krisen sehnt sich der Mensch oft nach Menschen, an die er sich anlehnen kann, die Halt geben. Dann schlägt die Stunde autoritärer Persönlichkeiten. In der Coronakrise mutierte der Virologe Christian Drosten zu solcher Leitfigur. Mir persönlich ist sein Kollege Hendrik Streeck deutlich lieber, weil er für mein Empfinden weniger extrem in seinen Ansichten ist und den Menschen neben der Wissenschaft ebenfalls in den Fokus nimmt. Der Mensch folgt immer jenen Menschen, die ihm glaubwürdig erscheinen. Diese Glaubwürdigkeit basiert auf Authentizität, auf Verlässlichkeit, auf Vertrauen. Mitarbeiter brauchen in dieser Zeit Führungskräfte, die gelassen und souverän agieren, die einen Weg aus der Krise weisen, die gut kommunizieren können und Verständnis für die Nöte ihrer Mitarbeiter aufbringen. Der Arbeitsalltag hat sich für die meisten von uns nachhaltig verändert. Diese Veränderungen sind für viele eine Herausforderung. Die Hoffnung, sie zu meistern, nicht zu verlieren, gehört zu unseren wichtigsten Aufgaben – und dieses Pflänzchen muss regelmäßig auch bei Mitarbeitern gegossen werden.

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Mutlosigkeit ist die kleine Schwester der Angst

Was wir derzeit brauchen, ist Mut. Mutig neue Wege und Geschäftsmodelle zu wagen, mutig nach neuen Kooperationen Ausschau zu halten, mutig querzudenken. Mutlosigkeit ist die kleine Schwester der Angst. Sie kann uns genauso lähmen. Und Lähmung herrscht derzeit mehr als genug. Mut hingegen ist der Treibstoff für Weiterentwicklung und Wachstum. Mutig sein heißt auch, sich den inneren Kämpfen zu stellen und der Wahrheit ins Gesicht zu schauen. Wir sind die Regisseure unseres Lebens, nicht das Coronavirus. Es mag zwar momentan das Setting beeinflussen, aber ihm gehört nicht die Macht, unseren Lebensweg zu dirigieren. Es ist Zeit, die Bedrohung in ein neues Bewusstsein zu wandeln, aus der empfundenen Schwäche neue Stärke erwachsen zu lassen und Mut zu schöpfen. Das Coronavirus ist nichts anderes als ein Lehrmeister, vielleicht derzeit lästig mit der Vielzahl der Lektionen, die es uns erteilt, aber am Ende doch nur ein Wegweiser, kein Wegbestimmer. Der US-amerikanische Sachbuchautor Brian Tracy hatte in Sachen Mut übrigens einen einfachen Tipp: „Entwickeln Sie den Mut, den Sie brauchen, indem Sie so tun, als seien Sie bereits mutig und sich entsprechend verhalten.“

© Ihre Antje Heimsoeth

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Antje HeimsoethÜber Antje Heimsoeth
Jahrgang 1964, ist Dipl. Ing. (FH).  Als Gründerin und Geschäftsführerin des Instituts für Business- und Sport Coaching, Heimsoeth Academy, berät und trainiert Antje Heimsoeth als Business- und Performance Coach Führungskräfte und Vorstände aus der Wirtschaft und Unternehmer. Antje Heimsoeth gehört zu den bekanntesten Mental Coaches und gefragten Vortragsrednern im deutschsprachigen Raum.  Sie ist Autorin von mehr zehn Sach- und Fachbüchern, die in bis zu vier Auflagen erschienen (Shop).

Sie wurde als „Vortragsrednerin des Jahres 2014“, in 2019 mit Top 10 Trainer & Influencer und in 2017 mit TOP 100 Erfolgstrainer (durch das Magazin ERFOLG) ausgezeichnet. Bei Managern und Medien gilt sie als „renommierteste Motivationstrainerin Deutschlands“ (FOCUS).  Antje Heimsoeth wurde in den Senat der Wirtschaft Deutschland berufen.
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