Persönlichkeit und Top Performance gehen Hand in Hand

Persönlichkeit und Top Performance gehen Hand in Hand - Antje Heimsoeth

Autor

Antje Heimsoeth

Datum

31. Jan 2018

Kategorien

Eines haben wir alle gemeinsam, so unterschiedlich unsere Persönlichkeit auch sein mag: Speaker wollen Erfolgsmenschen sein. Stephen R. Covey hat zwölf Prinzipien definiert, an denen sich ein Erfolgsmensch ausrichtet. Sie beschreiben für mich auch das, was eine erfolgreiche Rednerpersönlichkeit ausmacht.

Bei sich bleiben

Nehmen wir z.B. die Authentizität. Ein häufig genutzter Begriff, der unterschiedlich definiert wird. Covey beschreibt Authentizität ebenso schlicht wie einleuchtend: Man ist dann authentisch, wenn man nach außen genau die Person ist, die man im Innersten tatsächlich ist. Das heißt, bei allem, was wir lernen und uns von anderen abschauen, gilt es, genau zu prüfen: Passt das zu mir?
Als ich in New York an der berühmten Schauspielschule von Lee Strasberg Unterricht bei verschiedensten Lehrern hatte, gab es einen Dozenten, der mich bereits nach der ersten Minute meiner Präsentation mit der Frage unterbrach: Hey, was machst du da? „Das, was ich gelernt habe“, antwortete ich. Tatsächlich bin ich während meiner Präsentation ziemlich herumgetigert. Das tat ich, weil ich glaubte, auf diese Weise meinen Vortrag lebendiger zu machen. Ein Kollege hatte mir zuvor gesagt, ich sei zwar inhaltlich brilliant, aber beim Sprechen langweilig. Ich müsse mich mehr auf der Bühne bewegen. Daraufhin arbeitete ich mit einem renommierten Coach, der ebenfalls stark auf Gestik und Bewegung setzte. Doch was vermeintlich als Weiterentwicklung dienen sollte, passte einfach nicht zu mir. Ich bin von Natur aus ein sehr präsenter Mensch, aber es entspricht nicht meiner Persönlichkeit, viel herumzulaufen und große Gesten zu zeigen. Im Gegenteil: Ich verliere eher an Authentizität, wenn ich versuche, das in meine Auftritte zu integrieren, kurz: Wenn ich versuche etwas zu sein, von dem andere meinen, ich sollte so sein. Seit dem Schlüsselerlebnis in New York bewege ich mich bei meinen Auftritten wieder in dem Maß, mit dem ich mich wohlfühle und bin damit deutlich erfolgreicher. Es erfordert ein gewisses Selbstvertrauen, solche Entscheidungen zu treffen, schließlich hat man für die Weiterentwicklung und Einzelcoaching bei Kollegen Geld in die Hand genommen und Zeit investiert. Aber manchmal liegt die Entwicklung in der schlichten Erkenntnis, dass der angestrebte Zustand nicht zur Persönlichkeit passt und dann gilt es, dem Rechnung zu tragen – allen Investitionen zum Trotz.

 

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Charakter kommt vor Kompetenz

Covey sagt: „Charakter – was wir sind – ist am Ende wichtiger als Kompetenz – was wir können.“ (Covey, 2016, S. 35). Für den Erfolg eines Speakers ist die Persönlichkeit am wichtigsten. Die Kunst der Präsentation und des Auftritts lässt sich erlernen, die Souveränität erfolgt mit dem Entstehen der Routine, doch die Persönlichkeit ist der Schlüsselfaktor für ein gewinnendes Auftreten. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch. Diese Emotionalität vermochte ich anfangs nicht auf die Bühne zu bringen, heute gehört sie zu meinen USP-Merkmalen und wird vom Publikum geschätzt. Neben einem gesunden Selbstbewusstsein gehören auch Achtung und Respekt vor anderen Menschen zum Gesamtpaket. Dabei geht es nicht allein um den Umgang mit Kunden und Teilnehmern, sondern auch mit Kollegen und Mitarbeitern. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viele Speaker über ihre Kollegen lästern. Trägt das zur eigenen Profilierung bei? Für mich beginnt ein Profil mit der Glaubwürdigkeit. Und dazu gehört für mich die Übereinstimmung von Worten und Taten.

Vertrauen

Vertraue ich mir selbst und können mir andere vertrauen? Ansonsten werden meine Botschaften nie bei den Zuhörern ankommen. Nur wer sich selbst vertraut, dem können andere vertrauen. Wer sich nicht selbst vertraut, kann in der Regel auch anderen nicht wirklich vertrauen, formulierte es bereits Albert de Gondi, besser bekannt als Kardinal Retz. Unser Selbstvertrauen beeinflusst demnach auch unser Verhalten, unser Denken und unser Handeln.
Man wird es als Speaker nie allen Zuhörern recht machen. Wenn es nach einer Präsentation Kritik gibt, braucht es ein gesundes Selbstvertrauen, um damit konstruktiv umgehen zu können. Das heißt: Prüfen, was ist Wahres dran, eventuell Verständnisfragen an den Kritisierenden stellen, und die Kritik bei der Person lassen, von der sie kommt.

Feiere Deine Ecken und Kanten

Übung: Selbstliebe

Es ist wichtig, dass du dich selbst magst, damit auch andere dich mögen können. Schreibe mindestens zehn Dinge auf, die du an dir magst. Vielleicht kannst du sie dir zusätzlich noch als Sprachmemo abspeichern, damit du bewusst hören kannst, was dich liebenswert macht.

Bringe Licht in deine Schatten

Deine Persönlichkeit ist nicht zuletzt die Summe deiner Stärken und Schwächen. Weißt du um deine Stärken und Fähigkeiten genauso wie um deine Schwächen? Je bewusster dir diese sind, desto mehr bist du dir deiner selbst bewusst und kannst daraus Souveränität schöpfen. Schöpfe voll aus deinen Stärken, fördere sie und arbeite auf der Basis der Stärken an deinen Schwächen, um sie zu wandeln. In New York habe ich auch an meiner Vergangenheit gearbeitet. Unsere Dozentin Susan Batson sagte uns, was im Schatten verborgen liegt und uns nicht bekannt ist, wird uns irgendwann auf der Bühne zu schaffen machen.

Vorsicht Falle: Vergleiche

Als ich auf den ersten GSA-Conventions war, habe ich zu erfolgreichen Kollegen aufgeschaut. Durch das Aufschauen habe ich mich aber selbst kleingemacht. Das ist nicht förderlich. Die größte Falle ist unser ständiges Vergleichen. Vergleichen wir uns mit anderen im Sein, droht die Gefahr, dass wir uns negativ wahrnehmen, uns klein und unbedeutend fühlen. Vergleichen wir hingegen das Tun anderer mit unserem Handeln, dann kann es dazu dienen, etwas zu lernen und dazuzugewinnen. Sinn macht der Vergleich unseres jetzigen Selbst mit unserem vorherigen Selbst: Wo bist du besser geworden? Welche Schwächen hast du verändert? Deine eigenen Fortschritte nimmst du nur wahr, wenn du sie dir wirklich anschaust – dich also selbst vergleichst statt mit anderen.

Die Liebe zum Thema und zum Zuhörer

Wenn ich nicht selbst von meinem Thema begeistert bin, dann ist fast unmöglich, andere von dem Thema zu begeistern. Um meine Liebe zum Thema aufrecht zu erhalten, überarbeite ich meine Vorträge regelmäßig, verwende ca. 60 % Vorhandenes und ca. 40 % Aktuelles und Neues. So bleibt mein Kernthema für mich selbst reizvoll. Genauso wichtig ist die Liebe zu den Zuhörern und die Verbindung zu ihnen. Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe, sagte Khalil Gibran. Wenn wir auf der Bühne stehen, sollten wir unsere Liebe zeigen – sowohl zu unserem Thema als auch zum Publikum. Begeisterung ist dabei unsere Sprache der Liebe.

Weiterentwicklung – ein Prozess, der nie endet

Ein guter Redner zu werden, ist immer ein Prozess. Für mich dauert dieser Prozess, solange ich lebe. Finde deinen Weg – und plane Umwege auf deinem Weg als Top Speaker ein. Such dir Vorbilder und schaue, was du an einzelnen Denkweisen und Verhaltensweisen von diesen lernen kannst. Kopiere aber niemanden, sondern bleibe dir selbst treu. Deine Zuhörer wollen nämlich keine Kopie anderer erfolgreicher Menschen sehen, sondern das Original: dich und deine Persönlichkeit.

Verwendete Quellen:

Covey, S. (2016) „Die 12 Gründe des Gelingens oder das Geheimnis wahrer Größe“, Gabal, Offenbach.

Autorin:
Antje Heimsoeth, Jahrgang 1964, ist Dipl. Ing. (FH).  Sie wurde als „Vortragsrednerin des Jahres 2014“ und Top 100 Erfolgstrainer ausgezeichnet. Bei Managern und Medien gilt sie als „renommierteste Motivationstrainerin Deutschlands“ (FOCUS).

Mit ihrer Expertise geht sie auch auf Sendung bei Fernsehsendern wie RTL Aktuell, n-tv, Sky, BR, nrw.tv, Hamburg1 und RFO sowie bei Radiosendern wie Bayern 3 – Frühaufdreher, Sport1, BR und ManagementRadio.

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4 Kommentare

  1. Sehr geehrte Frau Heimsoeth,

    vielen dank für diesen sehr schönen Beitrag.
    Als Trainer und Coach für Führungskräfte versuche ich genau mit diesen Themen die Menschen in ihrer Arbeit zu unterstützen. Ihre Beiträge und Bücher empfehle ich regelmäßig. Einfach mal ein Dankeschön von einem Trainer-Kollegen.

    Beste Grüße
    Agentur für visionäres Personalmanagement

    Uwe Kleinert

    Antworten
  2. Liebe Antje,
    danke für diesen Beitrag – ich habe gleich meine 10 Wörter aufgeschrieben, „was ich an mir sehr mag“ 🙂
    Ja, ich bin kein „Speaker“ aber Designerin und Stylistin und auch hier muß ich mich immer wieder neu erfinden, neue Ideen haben und nicht nur von Anderen abschauen sondern aus all dem Gesehenen meine eigenen Dessins und Ideen entwickeln! Genau das ist so spannend in meinem Leben – immer wieder Neues auch an einem selbst entdecken ! Ich muß aber auch hellhörig sein, und auf meine Kunden eingehen – genau dieses Zusammenspiel ist mir sehr wichtig.
    Viele Grüße von Renate Brabandt

    Antworten
  3. Liebe Antje,
    Vielen Dank für diesen tollen Artikel, indem ich mich 100% wiederfinden konnte. Ich kann alles blind unterschreiben was du hier geschrieben hast. Bin selbst Speaker, und zwar aus Leidenschaft und Überzeugung. Bereite mich gerade auf meine Selbstständigkeit als professioneller Redner und Autor vor.

    Vielleicht begegnen wir uns irgendwann, wenn es das Schicksal will.
    Liebe Grüße

    Güngör

    Antworten
  4. Sich mit sich selbst zu vergleichen um zu sehen, wo man sich wie weiterentwickelt hat, finde ich einen tollen Gedanken – danke für den spannenden Artikel!
    BG Sarah

    Antworten

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