Ausreden

Alter Trott - Antje Heimsoeth

Autor

Antje Heimsoeth

Datum

15. Nov 2012

Kategorien

Schönstes Lauf-Wetter, die Freundin steht im Jogginganzug vor der Haustür: „Ach, du, ein anderes Mal, ich hab grad einen Haufen Arbeit auf dem Schreibtisch!“
Der Chef fragt, ob der Bericht schon fertig ist: „Äh, ja, so quasi, aber ich wollte heute Abend noch mal drüber lesen, ob alles passt.“

Aus welchen Gründen machen wir es uns oft so schwer und erfinden umständliche Ausreden? Dabei wäre es oft einfacher, schlicht die Wahrheit zu sagen: „Ich habe heute keine Lust zu joggen. Danke, dass du an mich gedacht hast.“ Oder dem anderen ehrlich zu antworten, statt ihm eine Notlüge aufzutischen: „Tut mir leid, ich hatte viel Arbeit, der Bericht liegt in zwei Tagen auf Ihrem Schreibtisch.“

Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach – stimmt zumindest nicht, wenn es um Ausreden geht. Wir meinen, es uns auf diese Weise einfach zu machen, aber die Konsequenzen unserer Ausreden holen uns leider immer wieder ein. Was tun, wenn die Freundin irgendwann nicht mehr vor der Tür steht und der Chef die Masche durchschaut? Dann müssen wir wieder alles glatt bügeln – viel mühsamer, als die Dinge gleich und direkt, aber auf ehrliche Art zu regeln. Die Haltung dahinter: Das Gegenüber hat ein Recht auf eine ehrliche Antwort, und eine Ausrede ist wie ein Betrug, auch an sich selbst. Schließlich weiß man ja, dass der Bericht noch auf seine Entstehung wartet!

Es gibt viele Gründe, weshalb wir Ausreden benützen. Mal setzen wir sie ganz offensichtlich, mal geschickt getarnt ein.

  • Wir meinen, uns damit Ärger und Probleme zu ersparen, uns davor zu schützen.
  • Die Macht der Gewohnheit: Wir sind daran gewöhnt, haben Ausreden lieb gewonnen.
  • Sie sind Teil unseres Selbstbildes, gehören zu unserer Identität.
  • Oft bemerken wir selbst gar nicht, dass wir Ausreden nutzen.
  • Dabei hebeln wir selbst viele unserer Möglichkeiten aus.

Welche sind Ihre drei Haupt- bzw. Lieblings-Ausreden?
1) …
2)
3)

Wenn Sie gerade im Geiste wieder eine Ausrede formulieren, halten Sie kurz inne: Ist Ihr Anspruch an sich selbst wirklich so gering wie in diesem Moment? Wollen Sie z.B. wirklich nicht fit bleiben und das gute Körpergefühl nach dem Joggen genießen? Oder Ihrem Chef beweisen, dass Sie pünktlich und strukturiert arbeiten können? Mit Ausreden limitieren Sie sich nur selbst. Dabei steckt mehr Potential in uns, das darauf wartet, frei gesetzt zu werden!

© Antje Heimsoeth

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