Ist Erfolg Glückssache?

Ist Erfolg Glückssache? Antje Heimsoeth

Autor

Antje Heimsoeth

Datum

06. Mrz 2019

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Manche verdanken ihren Erfolg glücklichen Umständen, andere halten Erfolg für den einzigen Grund zum Glücklichsein. Albert Schweitzer sah es anders: „Nicht Erfolg ist der Schlüssel zum Glück, sondern Glück ist der Schlüssel zum Erfolg.“ Darin verbirgt sich eine Weisheit, die sich auch heute noch bewahrheitet: Wenn wir glücklich sind mit dem, was wir tun, tun wir es in aller Regel mit Hingabe. Dieses Engagement und gute Stimmung sorgen für gute Ergebnisse. Und die guten Ergebnisse machen uns erfolgreich. Doch wer erfolgreich sein will, braucht neben der Leidenschaft und Freude ebenso Disziplin und Fleiß. In meiner Coachingpraxis erlebe ich oft, dass Unternehmen zwar in der Champions League der Wirtschaft mitspielen möchten, aber das nötige Training dafür weder regelmäßig noch intensiv absolvieren. Anders im Spitzensport: Fußballmannschaften, die es in die Champions League schaffen wollen, üben dreimal täglich an sechs Tagen in der Woche für Ausdauer, Kraft, Technik und Zusammenspiel. Wie oft werden in Unternehmen hingegen Disziplinen wie Gesprächsführung, Verhandlungstaktik, Einwandbehandlung, Umgang mit Reklamationen oder Präsentationstechniken geübt? In meinen Seminaren ernte ich auf diese Frage häufig ein Schulterzucken oder die Antwort: Gar nicht. Doch wer seinen Erfolg nur dem Glück überlässt, bequem in der IST-Situation verharrt und Weiterentwicklung vor allem in seinen Marketingtexten proklamiert, darf keine Hoffnungen auf die Champions League hegen. Ob als Unternehmen oder als Einzelperson, Sie können dem Glück auf die Sprünge helfen, wenn Sie ein paar wesentliche Sprungbretter nutzen:

Sprungbrett Nr. 1: Selbstreflexion

Fürs Vorankommen braucht es Klarheit darüber, wo man steht und wo man hin will. Reflektieren Sie regelmäßig Ihr Denken, Handeln, Impulse und Ihre Wirkung und analysieren Sie Stärken, Ressourcen und Schwächen. Das Gleiche können Sie auch im Unternehmen tun: Analysieren Sie die Stärken und Schwächen Ihres Leistungsportfolios in Relation zu Ihren Kundengruppen. Wo passen Ihre Angebote, wo hapert es? Und was macht Ihr stärkster Mitbewerber anders? Wo herrscht Verbesserungsbedarf, worauf können Sie künftig verzichten und was sollten Sie stärker nutzen? Wer sich seiner selbst bewusst ist, kann sein Potenzial besser ausschöpfen.

Sprungbrett Nr. 2: Begeisterung

Ob beruflich oder privat, Begeisterung für das, was man tut, ist ein wesentlicher Treiber dafür, weiterzumachen, mehr zu machen, über sich hinaus zu wachsen. Aus der Begeisterung wächst der Wille, dranzubleiben und sich weiterzuentwickeln. Im Sport können wir diesen Willen oft beobachten. So sagt der österreichische Skifahrer Marcel Hirscher, siebenfacher Ski-Gesamtweltcup-Sieger: „Im Skifahren ist mir das Wichtigste, der Beste zu sein, weil das auch impliziert, dass man besser geworden ist. Für das Leben abseits des Sports ist das Besserwerden die Hauptaufgabe. (…) Wenn ich auf dem Gletscher trainiere, klingelt um 5 Uhr in der Früh der Wecker, und ich frage mich: Bin ich bescheuert oder was? (…) Aber spätestens nach dem zweiten Trainingslauf weiß ich wieder, warum ich das mache. Weil es einfach schön ist, sich völlig auszupowern und etwas an der Leistungsgrenze betreiben zu können. Es ist schön, etwas so gut zu können wie wenige andere Menschen.“ (Neue Zürcher Zeitung, 26.10.18). Ohne Freude an unseren Aufgaben beflügeln wir weder uns noch andere zu Höchstleistungen. Hand aufs Herz: Wie steht es um Ihre Begeisterung?

Sprungbrett Nr. 3: Weiterentwicklung

Wer an die Spitze gelangen will, muss bereit sein, Schritt für Schritt voranzugehen. Die Bereitschaft zur Weiterentwicklung ist wesentlich für das Einfahren von Erfolgen. Wer der Beste werden will, sollte von den Besten lernen wollen. Und wer zukunftsfähig sein möchte, sollte sich technischen Fortschritten und Veränderungen gegenüber offen zeigen. Denn das Leben, im Job und außerhalb davon, ist ein ständiger Fluss. Wir können keinen Zustand festhalten – aber wir können ein Leben lang lernen. Besuchen Sie Seminare, hören Sie Podcasts, lesen Sie Fach- und Sachbücher – erfolgreiche Menschen erweitern ihr Wissen ständig, holen sich Feedback von anderen und gleichen ab: Wie sehe ich mich selbst und wie sehen mich andere? Weiterentwicklung kennt viele Ebenen, aber keine Ecke mit Komfortzone.

Sprungbrett Nr. 4: Zielsetzung

Die meisten Menschen haben keine konkreten Ziele für sich definiert und damit auch keine konkreten Pläne, von entsprechenden Strategien ganz zu schweigen. Stattdessen hegen viele von uns Wünsche. Damit sind wir dann halbwegs erfolgreich und wenn es gut läuft, klopfen wir uns auf die eigene Schulter. Läuft es schlecht, sind die anderen schuld – seien es die Wirtschaft, die Politik oder die Rahmenbedingungen, die den eigenen Erfolg behindern. Bequem, aber nicht beflügelnd. Denn der Wunsch ist nur der Vater des Ziels. Erst die Entwicklung einer Strategie zur Umsetzung macht aus einem Wunsch ein Ziel. Der Weg zum Erfolg wird von attraktiven, positiven, aktiven Zielen (Ergebnis- und Prozessziele) bestimmt. Haben Sie Ihre Ziele klar definiert? Wer keine Ziele hat, kann nirgendwo ankommen und seltener Erfolge verbuchen. Attraktive, positive und aktive Ziele helfen Ihnen, Ihre Bequemlichkeit zu überwinden und sich zu motivieren. Der ehemalige deutsche Skispringer und Olympiasieger Sven Hannawald sagt dazu: „Mein Ziel war nicht Weltmeister oder Olympiasieger, sondern mein Ziel war immer der perfekte Sprung – das hat mich länger motiviert.“ (Tigers Career Day, Uni Tübingen, Juli 2014).

Sprungbrett Nr. 5: Beziehungen

Zwei der längsten und umfangreichsten Studien, die je über Menschen durchgeführt wurden, stammen aus Harvard und beschäftigten sich über einen Zeitraum von 75 Jahren mit der Frage, was uns glücklich macht (The Grant Study und The Glueck Study). Die Kernerkenntnis der Studien: Gute Beziehungen machen uns glücklicher. Und gute Beziehungen tragen auch zu unserem Erfolg bei. Sei es im Arbeitsleben, wo Unternehmen davon profitieren, dass es zwischen Führungskräften und Mitarbeitern gute Beziehungen gibt, in den Teams ein produktives und angenehmes Miteinander herrscht und die Kundenbeziehungen positiv sind oder sei es das private Umfeld, das uns trägt, wenn uns das Leben vor Herausforderungen stellt. Tragfähige gute Beziehungen sind in vielerlei Hinsicht ein Treiber des Erfolgs. Denn Erfolg wächst nicht nur aus dem eigenen Tun, sondern auch aus der Unterstützung durch andere, aus dem beruflichen Netzwerken, der Kontaktpflege, der Beziehung zu Kunden und Geschäftspartnern. Wer nach dem Erfolg strebt, sollte sich anderen nicht verschließen, sie nur als Handlanger oder notwendiges Übel betrachten, sondern ihnen mit Wertschätzung, echtem Interesse und Respekt begegnen. Dann wird der Erfolg vielleicht ein zuverlässiger Beziehungspartner.

Ich weiß nicht, nach welchen Erfolgen Sie 2019 streben und von welchem Sprungbrett Sie starten, aber ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihren Vorhaben. Mögen Ihnen die Worte der Fußball-Legende Pelé den Weg weisen: „Erfolg ist kein Zufall! Er kommt zu uns durch harte Arbeit, Ausdauer, Lernen, Aufopferung und vor allem Liebe zu dem, was wir tun, oder lernen.“

© Ihre Antje Heimsoeth


Antje HeimsoethAntje Heimsoeth
, Diplom-Ingenieurin (FH), Coach, ECA und DVNLP, zert. Mental Coach, Gesundheitstrainerin, ECA Sport Coach (Master Competence), zert. Entspannungspädagogin, zert. Business Coach und Top-Speakerin mit mentalem Olympiafaktor: Go for Gold! mit eigenem Institut Heimsoeth Academy, ausgezeichnet als „Vortragsrednerin des Jahres 2014“ und „Deutschlands renommierteste Motivationstrainerin“ (FOCUS).

Weltweit tätig. Auftritte bei RTL Aktuell, n-tv, Sport1, hamburg1, nrw.tv, BR (Blickpunkt Sport) und Sky sowie auf Kreuzfahrtschiffen (MS Europa 2, AIDA). Bestsellerautorin.

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3 Kommentare

  1. Moin aus dem Norden.

    5 mal JA. Sehr gut analysiert. So käme Bewegung in die Entwicklung der Menschen und Unternehmen.
    Es ist ein Forschungsauftrag herauszufinden warum Organisationen und damit auch viele Menschen so entwicklungs-bequem sind.
    Frau Heimsoeth , müssen wir Selbstreflexion evtl. als Fach in der Schule etablieren?
    Wäre das eine Lösung um die Mentalität zum Thema Entwicklung zu verändern?
    Auf jeden Fall danke für diesen sortierten und inhaltsreichen Blog!

    Liebe Grüße
    Karl Knab

    Antworten
    • In Schulen setze ich mich für das Fach Glück oder Selbstvertrauen ein.
      Selbstreflexion hört nie auf, ein Leben lang nicht. Ob Menschen sich auch später noch reflektieren … nach der Schule – ist durch ein Fach Selbstreflexion nicht sicher gestellt.

      Danke für die positive Rückmeldung zu meinem Blog und dem Blogbeitrag.
      Herzlich
      Antje Heimsoeth

      Antworten
  2. Vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag für Führungskräfte. Ich nehme diesen Blog mit in meine Zielgespräche für meine Führungskräfte, um deren Weiterentwicklung und Erfolg durch Ihre inspirierenden Worte zu stützen.

    Antworten

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